39
Wohlleben ihrer in Ringen zusammengeschlossenen Herren zu erläutern, um
danach zu einer Jubelouvertüre über das paradiesische Dasein aller Beteiligten
überzugehen, welches verwirklicht sein wird, wenn durch Vermittelung der Konsumvereine
die Arbeiter auch die Produktion aller der zur Befriedigung ihrer Wirtschaftsbedürfnisse
nötigen Gegenstände in die Hand genommen haben werden.
Aller Prosit, den der beutegierige Kapitalist jetzt einstecke, werde ausgeschaltet.
Er komme den Arbeitern zugute entweder in Form höheren Lohnes
oder billigerer Ware. Die Existenz der in ihren eigenen Betrieben tätigen
Arbeiter sei eine sicherere als jetzt, und außerdem erhielte jeder bessere Ware.
Von alledem kann ich nur die verurteilende Bemerkung über die Ringbildungen
vieler Fabrikanten als zum Teil berechtigt anerkennen. Manche dieser
Gebilde treiben eine nichtswürdige, vaterlandsschädliche Sonderinteressenpolitik,
anderen wieder kann man das nicht nachsagen, und einige werden sogar gelobt
werden müssen. Alles, was sich aber nicht auf die Ringe bezieht, ist von Herrn
Staudinger in einseitig übertriebener und öfter direkt falscher Weise geschildert
worden. Er steht hier ganz auf sozialdemokratischem Boden. Ob man den Brief
liest oder einen sozialdemokratischen Hetzer hört, ist ganz gleich.
Was soll es heißen, daß unser heutiges Arbeitsverhältnis tatsächlich nur
Fron- und Tributpflichten einschließt und mit unseren moralischen und rechtlichen
Grundsätzen in unausgleichbarem Widerspruch steht? Gewiß existiert in Arbeiterkreisen
jetzt vielfach eine früher unerhörte Sklaverei und ein haarsträubender
Terrorismus. Diese rühren aber nicht von den Arbeitgebern her, sondern von
den sozialdemokratischen Führern, welche mit Hilfe der „freien Gewerkschaften"
zugleich Herren der Arbeitnehmer und Arbeitgeber werden nwchten. Diese
sozialdemokratischen Aufwiegler tragen hauptsächlich die unseren „moralischen und
rechtlichen Grundsätzen" widersprechenden Momente in das Arbeitsverhältnis
hinein. Sie verlangen behufs Aufregung der Massen alle Rechte für sich und
alle Pflichten für die Arbeitgeber. Treu und Glauben kennen sie nicht mehr.
Streiks brechen sie vom Zaun wie Hagebutten, und wenn sie dann nach der übermütigsten
Verhöhnung der Arbeitgeber und nach eitler Prahlerei niedergeworfen
sind, wie in Crimmitschau, dann verlangen sie noch dreist als selbstverständlich
die Einstellung aller Streikenden und die Entlassung der Arbeitswilligen, um
das beim Streik gesammelte Geld für sich behalten zu können. In Crimmitschau
hat der Reingewinn der Streikkasse Summen betragen, die man sich scheut nachzusprechen.
Dabei berufen sie sich nicht selten auf Vorschriften christlicher Nächstenliebe,
die sie selbst nur kennen, wenn sie ihnen Vorteile bringt.
In diesem Wirrwarr von Ansichten, die in den Köpfen aller Sozialdemokraten,
also auch in denen der zu Hamburg an der Krippe der Zentral-