Full text: Das Problem der Wirtschaftsdemokratie

„Am vollständigsten wurden die Ortskrankenkassen 
von der Erhebung erfaßt, Mit ihnen haben die Ortsaus- 
schüsse die stärkste Fühlung.‘“ 
Sapienti sat! 
In der Arbeitslosenversicherung zeigt sich ein ähnliches 
Bild. Nach dem Jahrbuch 1928 des ADGB. (S. 72) verteilten 
sich die Beisitzer in den Verwaltungsausschüssen der Ar- 
beitsämter 
zu 70,4% auf.die freien Gewerkschaften 
zu 23,5% auf die christlichen Gewerkschaften 
zu 6,0% auf. die Hirsch-Dunckerschen Gewerk- 
schaften - 
zu 0,1% auf die polnischen Organisationen 
Von den Arbeitnehmerbeisitzern in den Landesarbeits- 
ämtern gehörten an: den 
Verwaltungs- geschäftsführender 
ausschuß Ausschuß 
ireien Gewerksenaften 77 4 
ıhristlichen Gewerkschaften 2 9 
Mirsch-Dunckerschen 
Gewerkschaften 13 
zusammen 111. 
Zu der Besetzung der Vorsitzendenstellen bei den Ar- 
Jeitsämtern meint der Geschäftsbericht 1928 des. Deutsch- 
nationalen Handlungsgehilfenverbandes, daß in manchen 
Fällen weniger auf fachliche Eignung, als auf genehme 
politische Gesinnung gesehen worden sel, 
In gleicher Weise dominieren die freien Gewerkschaf- 
ten in den Arbeitsgerichtsbehörden. Hier entfallen nach 
siner Aufstellung des Deutschnationalen Handlungsgehilfen- 
verbandes (Jahresbericht 1927, Seite 147) auf 
die sozialistischen Gewerkschaften 6894 Arbeitnehmerbeisitzer 
den deutschen Gewerkschaftsbund 2421 
die freiheitlich-nationalen 
Gewerkschaften 1027 
sonstige Organisationen 1210 
zusammen 10 442 
Nicht so erfolgreich sind die sozialistischen Gewerk- 
schaften: in der Angestelltenversicherung gewesen. Hier 
entschieden sich bei den Vertrauensmännerwahlen 71,8% 
von fast 1 Million Stimmen für die Hauptausschußverbäude 
(DHV., GDA,, Verband der weiblichen Handelsangestellten 
u. a.) gegen 27,6% Stimmen, die für den Afabund abgegeben 
waren, Infolgedessen erhielten von den zwölf Verwaltungs- 
ratssitzen die Hauptausschußverbände 10, der Afabund da- 
gegen nur zwei Sitze. Da der Afabund nur diese gerinze 
Zahl von Sitzen erreichen konnte, ist er im. Direktorium 
der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte überhaupt 
nicht vertreten. Sein Bestreben geht daher dahin, in dies 
wichtige Organ zu kommen und sei es auf dem Umweg 
über die Besetzung einer beamteten Stelle im Direktorium. 
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