nicht aufhören. Er wird nur um einen Operationsabschnitt
erweitert, nämlich um den Betrieb, der heute, abgesehen
von kommunistischen Vorstößen, immerhin noch gegen politi-
sche Störungen von außen einigermaßen geschützt ist.
Da nun aber die Ueberführung der Wirtschaftsdemo-
kratie in den Sozialismus eine eminent politische Frage ist,
die natürlich die Träger der demokratischen Wirtschafts-
verfassung auf das tiefste für oder gege n ergreifen wird.
so ist unschwer vorauszusehen.
daß die Wirtschaftsdemokratie als „eine Periode des
Ueberganges zu höheren Formen der Wirtschafts-
ordnung“ (Jaeckel Protokoll Seite 206) eine intensive
Politisierung der Wirtschaftsverwaltung verursachen
wird,
und zwar von der Werkstätte bis zum Reichswirtschafts-
rat, von, den Betriebsparteien und Fraktionen des Betriebs-
rates bis zu den großen Parteien des sozialen und politi-
schen Machtkampfes, den Gewerkschaften und den politi-
schen Parteien und endlich bis zu den Fraktionen in den
Parlamenten. Die eigengesetzliche Atmosphäre der Be-
triebsarbeit wird damit ihrer Selbständigkeit be-
raubt, und zu den natürlichen Mühseligkeiten der eigent-
lichen . Arbeitsverrichtungen tritt das scharfe brennende
Gewürz der politischen Leidenschaft. Wahrlich ein eigen-
artiger Weg, um Arbeitsfreude zu erzeugen und zu sichern!
Aber trotz dieses offensichtlichen inneren Widerspruchs
ist das Problem der Arbeitsifreude im Rahmen der Wirt-
schaftsdemokratie ernst zu nehmen. Es vergeht heute keine
gewerkschaftliche Kundgebung, keine pädagogische Tagung,
keine religiöse Aussprache, kein Jugendtreffen, ohne daß
nicht immer wieder dieselbe Klage laut wird, nämlich, daß
im Arbeits- und Berufsleben der moderne Mensch nirgend-
wo mehr das Gefühl haben könne, noch im organischen
Kreise des Ganzen ein lebendiger Teil zu sein. Dies Pro-
blem ist nicht nur ein Problem des Industriearbeiters. Es
ist für alle Stände die notwendige Folge der aus der Kom-
pliziertheit ‚des modernen Lebens sich ergebenden Speziali-
sierung. Dabei darf man sich nicht darüber täuschen, daß
gerade soweit vom Problem für den Industriearbeiter‘ die
Rede ist, sehr viel Sentiment anderer Stände, ja Literaten-
geschwätz hineingetragen wird, das die Sache künstlich auf-
bauscht. Natürlich hat das Problem auch eine echte Wurzel.
Es geht als Folge der uniformierenden Zwangsverhältnisse
des Krieges und des gleiche Wirkung zeitigenden Elends der
Nachkriegsiahre, trotz alles äußeren Kollektivismus, eine
starke Welle eigenpersönlicher Lebenssuche und Lebensart
und der Wunsch nach eigener Verantwortung durch unser
Volk. Es ist ein Aufbäumen des lebendigsten Persönlich-
keitsgedankens gegen die allseitigen Zwangseinbettungen
des modernen Lebens. Und so tauchen denn immer wieder
die schmerzlichen. Empfindungen über die persönliche Ver-
einsamung in den massenreichen Werkstätten der Industrie,
über die geistige Einengung und seelische Monotonie vor
dem ewizen Cileichfluß der industriellen Frzeugung auf, In
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