Full text: Das Problem der Wirtschaftsdemokratie

Stempel aufgedrückt, dem wir überall, kaum daß wir uns 
dessen noch bewußt werden, begegnen. In Europa verbin- 
det man, auf Anhieb befragt, mit dem Begriff der Wirt- 
schaftsdemokratie einen. Zusammenhang mit dem Sozia- 
lismus. Beteiligung der Masse an der Führung der Pro- 
duktion wird auf die Masse der Arbeiterschaft, nicht der 
Käuferschaft, bezogen, Das Problem der Produktion wird 
getrennt von dem eigentlich untrennbar damit ver- 
bundenen Problem des Absatzes betrachtet — obgleich 
der einzige Zweck der Produktion der Absatz ist und 
bleiben wird. 
Da der Einfluß der Arbeiterschaft im Sinne einer 
Klassenpolitik im Verhältnis zu ihrer Massierung wächst, 
ist er in den industriell am meisten entwickelten Ländern 
am größten, und demzufolge sind die von den Gewerkschaf- 
ten als den Trägern einer so verstandenen Wirtschafts- 
demokratie auf unserem Kontinent unternommenen Schritte 
auch hier am deutlichsten festzustellen. Da, wo die Land- 
wirtschaft nach wie vor als wichtigster Produktionszweig 
dominiert. wie beispielsweise 
in Frankreich, 
sind ste nicht oder nur in verschwindendem Ausmaße wahr- 
zunehmen. Das gleiche gilt von den Gewerkschaften dieser 
Länder, die in der Regel schwach und einflußlos im Ver- 
gleich zu den Organisationen in z. B. England und 
Deutschland sind. Eine Ausnahme machen in dieser 
Betrachtung lediglich Italien und Rußland aus durch- 
aus naheliegenden Gründen. 
Industrial Democracy bedeutet 
in England 
die Beteiligung der Arbeiterschaft an der Betriebs- oder 
Produktionsführung in ausschließlichem Inter- 
esse der Arbeiter. Die Einsetzung von Betriebsräten be- 
ratenden oder mitbestimmenden Charakters, die hier nur 
vereinzelt dasteht, da ihr genau wie in Amerika die gesetz- 
liche Grundlage fehlt, wird als eines der ersten und wesent- 
lichsten Erfordernisse der Wirtschaftsdemokratie erstrebt. 
Als ebenso wichtig wird der Ausbau des Verhand- 
lungsapparats zwischen Arbeitgebern und 
Arbeitnehmern für den Fall von Arbeitskoniflikten an- 
gesehen, der, von unseren Verhältnissen aus betrachtet, be- 
reits außerordentlich entwickelt ist, und im übrigen den 
Gedanken der Zwangsschlichtung nicht 
kennt oder zuläßt. Auch die mitbestimmende Teilnahme 
der Arbeiter an den Rationalisierungarbeiten in den Betrie- 
ben gehört hierher, wenngleich sie innerhalb der Gewerk- 
schaften noch stark umstritten ist. Daneben erstreben die 
Gewerkschaften im Zeichen der Wirtschaftsdemokratie die 
Durchsetzung einer Reihe sozialer Forderungen, die sie 
gesetzlich festgelegt wissen wollen, wie Achtstunden- 
tag, Anerkennung der Koalitionsfreiheit, 
fabrikgesetzgeberische Maßnahmen, Ausbau 
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