Full text: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Muskatnüsse 
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Mutterkorn 
die Beimengung der sog. B ombay-Mazis, des 
Samenmantels einer wild wachsenden Art (My- 
ristica malabarica), eingebürgert, die ohne 
jeden Würzwert ist. Sie unterscheidet sich durch 
einen höheren, bis zu 35 °/o steigenden Fettgehalt 
und durch einen in besonderen Kugelzellen ab 
gelagerten dunkelgelben Farbstoff, der mit Alka 
lien rot wird. Zum Nachweise dieses Verfäl 
schungsmittels kocht man den alkoholischen 
Auszug mit Kaliumchromatlösung, wobei Born- 
bay-M. ockerfarbig bis braun wird, echte M. 
hingegen unverändert bleibt. Mit Ammoniak 
wird der Auszug aus echter M. rosa, aus Bom- 
bay-M. tief orange bis gelbrot. Weitere An 
haltspunkte bietet die Kapillaranalyse und die 
Bestimmung des Petrolätherauszugs. Den Be 
mühungen der Nahrungsmittelkontrolle ist es 
gelungen, die Verfälschungen der M. zu beseiti 
gen, und die Fabrikanten haben sogar beschlos 
sen, Bombay-M. auch unter Kennzeichnung nicht 
mehr zu verwenden. — Eine geringere, aber 
immerhin noch brauchbare M.-Sorte von der 
auf Neu-Guinea heimischen Myristica argen- 
tea wird als Papua-M. in den Handel gebracht. 
Muskatnüsse (lat. Nuces moschatae, frz. Noix 
de muscadier, engl. Nutmeg) sind die Samen des 
Muskatnußbaumes, Myristica fragrans 
und der Myristica argentea. Die letzteren 
führen meist die Bezeichnung Papua- oder 
lange M. und sind geringwertiger. Zu ihrer 
Gewinnung werden die Samen nach Entfernung 
des Fruchtfleisches und des Arillus über Feuer 
scharf getrocknet, bis sie beim Schütteln klap 
pern. Darauf werden die Steinschalen mit höl 
zernen Hämmern zerschlagen, und die Kerne 
zum Schutze gegen Insektenfraß in Kalkmilch 
gelegt und dann getrocknet. Die M., welche 
nur selten gepulvert in den Handel kommen, 
sind durch ihren hohen Gehalt an Fett (34%) 
und an ätherischem Öl (8—1S °/o) ausgezeichnet. 
Sie sollen nicht mehr als 3,5 °/o Asche und 
0,5 0/0 Sand hinterlassen. Verfälschungen durch 
äußerliche Verschönerung wurmstichiger, ver 
dorbener Waren sind bisweilen vorgekommen, 
auch hat man aus Mehlteig und Ton hergestellte 
völlige Nachahmungen im Handel angetroffen. 
Sie sind leicht daran zu erkennen, daß sie beim 
Einweichen in Wasser zerfallen. Die M. finden 
beschränkte medizinische, hingegen ausgedehnte 
küchenmäßige Verwendung und müssen zum 
Schutze gegen Verschimmeln trocken aufbewahrt 
werden. 
Muskatöl. Aus den Nüssen wird sowohl 
ätherisches wie fettes öd gewonnen. — Das 
ätherische M. (Oleum nucis moschatae aethe- 
reum, frz. Essence de muscade, engl. Oil of 
nutmeg) erhält man durch Wasserdampfdestilla 
tion von Mazis oder gepulverten Nüssen als eine 
farblose, dünne Flüssigkeit, die sich bei län 
gerer Aufbewahrung durch Oxydation verdickt. 
Sie ist rechtsdrehend, hat ein spez. Gew. von 
0,865—0,930 und löst sich in 0,5-—3 Volum 
go°/oigem Alkohol. Das M. enthält neben Ter 
penen, wie Rechts- und Linkspinen, Kamphen 
und Dipenten, eine ganze Anzahl Sauerstoff 
verbindungen, von denen Linalool, Terpinenol-4, 
Borneol, Terpineol, Geraniol, Safrol, Myristizin 
und Myristinsäure genannt seien. Der als Myri- 
stikol bezeichnete Alkohol besteht aus einem 
Gemenge von Terpineol, Borneol und Terpi 
nenol-4. — Das fette Öl (Muskatbutter, Mus 
katbalsam, lat. Oleum nucistae, frz. Beurre de 
muscade, engl. Butter of nutmeg) wird durch 
Auspressen der pulverisierten Nüsse zwischen 
heißen Platten gewonnen. Es enthält neben 
4°/o ätherischem Öl 52% flüssiges und 440/0 
festes Fett, welches im wesentlichen aus My- 
ristin besteht. Das spez. Gew. beträgt 0,990 bis 
1,000, der Schmelzpunkt 38,5-— 51,0°, die Jodzahl 
40—50. Das gelbe, talgartige Fett löst sich zu 
etwa 55 0/0 in kaltem Alkohol, völlig in sieden 
dem Alkohol, Äther und Chloroform. M. findet 
als Grundlage für Pflaster und Salben medizi 
nische Anwendung und muß in der gewöhn 
lichen Handelsform, mit Stanniol umhüllten Rie 
geln, in verschlossenen Gefäßen kühl aufbewahrt 
werden. 
Musseline (frz. Musseline, engl. Muslin) ist 
eine Gattung feiner, locker gewebter, halb durch 
sichtiger Gewebe aus den höchsten Nummern 
von Baumwoll- oder Wollengarn (Baumwoll- 
musseline und Wollmusseline), die ursprüng 
lieh aus Ostindien und dem Orient eingeführt, 
seit langer Zeit auch in England, Frankreich, 
Deutschland und der Schweiz ebenso schön und 
gut und durch ihren Fabrikbetrieb bedeutend 
billiger hergestellt werden. Die Ware kommt 
in den verschiedensten Formen, glatt, gestreift, 
durchbrochen, geblümt und gedruckt in den 
Handel und dient auch als Grund von Weiß 
Stickereien. Die Musselinweberei und die Aus 
fuhr ihrer Erzeugnisse nach dem Orient wurde 
in der Schweiz und Deutschland .(Vogtland) 
schon lange vor Einführung der Spinnmaschine 
betrieben. Mit der Ausbildung der Maschinen 
spinnerei ging die Garnerzeugung jedoch voll 
ständig auf diese über, während die Weberei 
nach wie vor dem Handstuhle verblieb. Sie 
wurde früher in Kellerräumen betrieben, da 
die Arbeit in trockener Luft nicht gut gelingt, 
kann aber nach Behandlung des Garnes mit 
Glyzerin überall ausgeführt werden. Die Ma 
schine hat auch die alte ostindische Industrie 
soweit beeinflußt, daß die dortigen Weber jetzt 
englische Garne verarbeiten, wenngleich die 
Herstellung aus Handgespinst in beschränktem 
Maße fortdauert. Als Beweis für die große 
Zartheit und Feinheit der indischen Musseline 
wird angeführt, daß man ein ganzes Kleid durch 
einen Fingerring ziehen könne, oder daß 15 bis 
20 m Turbanmusselin nur 150 g wiegen. Dabei 
sollen sie aber auch in der Güte, besonders 
in Halt- und Waschbarkeit die europäischen 
Stoffe übertreffen. Als besondere Arten der 
Musseline sind zu erwähnen: Musselinets mit 
eingewebten, weiß oder bunt gemusterten Streifen; 
Mull, ein ganz weicher, weißer Musselin; Va 
peur, ein sehr lockerer und feiner, und Ze 
phyr, der allerfeinste Musselin aus den höch 
sten Garnnummern. 
Mutterkorn (Kriebelkorn. lat. Secale cor- 
nutum, frz. Ergot, Seigle ergotd, engl. Black 
grain of corn, Blighied corn) besteht aus 
dem Dauermyzelium oder Sklerotium eines 
Pilzes, Claviceps purpurea, der auf den 
Ähren vieler Gräser, namentlich des Roggens, 
seltener auf Weizen und Gerste, schmarotzt, für 
den medizinischen Gebrauch aber nur von
	        
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