jei einem wirtschaftlichen Vorgang der Ueberforderer oder
Unterbieter nicht das Scheitern des Handels zu riskieren
braucht.
Wegen fehlender Selbstverantwortung und Ueber-
wiegens der Taktik wurden die — sonst oft‘ auf erfreulich
hohem Niveau gehaltenen — Meinungskämpfe innerhalb der
Kohlenwirtschaftsorgane leider
in der Preispolitik immer unfruchtbarer.
Die Regierung kam in eine wenig erfreuliche Sackgasse
hinein: Während auf der einen Seite das Arbeitsressort
durch Verbindlichkeitserklärungen die Löhne ständig er-
höhte, suchte das Wirtschaftsressort die Folgen dieses
Vorgehens auf die Wirtschaft durch Festhaltung der
Preise zu parieren, grundsätzlich ohne Rücksicht auf die
Marktlage, lediglich. gestützt — und nicht einmal immer
vestützt — auf fiktive, einseitig bestimmte durchschnitt-
liche Selbstkosten. Unter der Herrschaft dieses Selbst-
kostenprinzips verwirrten sich die Begriffe teilweise bis
zu einer Wirtschaftsauffassung, die an Aechtung jedes
Gewinnes und Gewinnstrebens grenzte. Aus dieser
Sackgasse hat man infolge der politischen Verhältnisse
den Rückweg leider ebenso wenig entschlossen angetreten
wie beim LohnschlichtungsweSsen. Das Selbstkostenprinzip,
das auch von führenden Sozialisten in der Sozialisierungs-
kommission seinerzeit entschieden abgelehnt wurde
und auch keineswegs im KWG. festgelegt ist, muß vom
wirtschaftlichen Standpunkt grundsätzlich bekämpft wer-
den. In der Kohlenwirtschaft ist es besonders unbefriedi-
zend, weil bis heute noch keine einheitliche Auffassung über
den Bestandteil der Selbstkosten besteht, der bei einem
so kapitalintensiven Betriebe wie dem Bergbau — der den
Effektivwert seiner Anlagen im günstigsten Falle erst in
drei Jahren umschlagen kann — eine enorme Rolle
spielt: das Maß der erforderlichen Abschrei-
bungen.
Fine Zwangspreisregelung, die auch für Gesellschaften
mit günstigen Abbaubedingungen den Aufschluß neuer
Betriebe nachweislich unwirtschaftlich macht. erweckt
volkswirtschaitlich schwere Bedenken, zumal in einem So
kapitalbedürftigen Lande wie Deutschland. Daß der deut-
sche Braunkohlenbergbau Seit Jahren bis zur
Gegenwart, der Steinkohlenbergbau zum min-
desten während der Jahre 1926/27 — Wirkung und Nach-
wirkung des siebenmonatigen Ausfalls der englischen
Kohlenförderung — ohne jede Gefährdung ihres Absatzes
und auch olme Beeinträchtigung der übrigen. Wirtschaft
höhere Preise hätten erzielen und ‚dadurch nicht nur wert-
volles Produktivkapital, sondern auch notwendige Reser-
ven für ungünstigere Zeiten hätten schaffen können, kann
ernstlich nicht bestritten werden. Die Ruhr und Aachen
haben neuerdings — reichlich spät — etwas mehr preis-
liche Bewegungsfreiheit erhalten.
Die fast absolute Stetigkeit der Preise, die man dem
jetzigen System zum Vorteil anzurechnen geneigt ist, ist
in Wirklichkeit von sehr zweifelhaftem Wert. Auf die
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