Full text: Das Problem der Wirtschaftsdemokratie

lichen Autokratie‘“ gesprochen wird. Indem die Konzern: 
bewegung auf breitem Felde jene Trennung von Unter- 
nehmen und Besitz begünstigte, hat Sie einen starken Keil 
in das früher unmittelbar auf dem Unternehmungseigentum 
aufgebaute Kapital- und Profitinteresse getrieben und da- 
durch die Bahn geöffnet für den Gedanken des Pro- 
duktionsinteresses als prädominierendes Agens 
der großindustriellen Wirtschaftspolitik. Darin liegt ein 
Entwicklungsmoment von überhaupt nicht zu unterschätzen- 
der, auch vom Standpunkt der Arbeiter positiv zu bewer- 
tender Tragweite, ganz abgesehen von den Einflüssen die 
von den Konzernen — im Verein mit den Kartellen — auf 
die Stabilisierung der Koniunkturbewegungen 
und Verhinderung krisenhafter Erschütterungen 
des Absatzes ausgehen. 
Nach der Auffassung der Gewerkschaften ist nun der 
konzern- und kartellmäßige Aufbau der Industrie für: die 
Durchführung der Wirtschaftsdemokratie besonders ge- 
eignet, und zwar in der Weise, daß die Arbeiter Ver- 
tretungen in die Verwaltung entsenden. Das strikte 
Gegenteil ist richtig. Je umfassender die Unter- 
nehmungsgebilde, desto höher die Anforderungen, die an 
die wirtschaftlich-kaufmännischen Qualitäten der leitenden 
Persönlichkeiten zu stellen sind. Sie können nur von, Per- 
sonen geboten werden, die über hervorragende Anlagen 
und Begabung in jeder Hinsicht verfügen und diese in 
jahrelanger, unmittelbarer Betriebspraxis zu üben in der 
Lage waren. 
In der sorgfältigen Führerauslese liegt eine der 
iruchtbarsten Wurzeln für die Ueberlegenheit 
des Großbetriebes. 
Die Vertretung der Arbeiter in den Aufsichtsräten und 
Vorständen der Konzerne und großen Aktiengesellschaften 
würde ferner einer Politisierumng der Betriebs- 
wirtschaft gleichkommen. die unvermeidlich ip Konflikt 
geraten muß mit der Führung der Geschäfte nach den Ge- 
sichtsrunkten der Rentabilität und des Unternehmungs- 
interesses, deren uneingeschränkte Beachtung die binnen- 
und namentlich auch die weltwirtschaftliche Konkurrenz 
verlangt. Denn auch beim besten Willen könnten die 
Gewerkschaftsführer sich ihres Charakters als Delegierte 
einer : bestimmten sozialen Gruppe nicht entledizen; die 
Spezialbelange der hinter ihnen stehenden Arbeiter würden 
oft Richtung und Inhalt ihrer geschäftlichen Haltung und 
Entschließungen bewußt oder unbewußt bestimmen, wie 
die Erfahrungen mit dem Reichskohlenrat zur (Genüge er- 
kennen lassen. 
Die Sitzungen der Auifsichtsräte und Vorstände 
würden, gleich den staatlichen und kommunalen 
Parlamenten, zum Schauplatz häufiger heitigster 
Auseinandersetzungen und Kämpfe werden. 
RA
	        
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