lassen. So konnte schon von Anfang an die Tendenz zu raschem Arbei- }
ten eingeprägt und angewöhnt werden.
Für die nachfolgende Aufgabe, das Training im Betrieb selbst, er- \
wies sich der Anschauungsunterricht als besonders wirksam. Die jungen w
Arbeiterinnen mußten zusehen, wie die Bestqualifizierten arbeiteten. -— +
Erst diese Anschauung weckte das richtige Bild vom erreichbaren Ziel. h
Diese Anschauung wirkte tatsächlich als Vorstellung fort, im Sinne eines 1
neuen Ansporns zur Erhöhung des eigenen Arbeitstempos. zZ
Später wurde noch mit systematisch erhöhtem «Pensum» und F
«Prämie» nachgeholfen, wobei sich herausstellte, daß mit allen diesen u
Mitteln vereint die Schülerinnen erstaunlich rasch in der Richtung op- ir
timaler Arbeitsleistungen vorwärts gebracht werden konnten. Immerhin dı
spielte dabei der genannte Anschauungsunterricht wesentlich mit; ohne FE
ihn ging es wesentlich länger, bis die Schülerinnen in «Schwung» le
kamen. fr
Es ist ja selbstverständlich, daß diese Arbeitssteigerungen nicht von V
selbst eintreten, denn die Kraft der Gewöhnungen, auch des jeweils vor- ;
handenen Geschwindigkeitsgrades, ist immer so groß, daß der Mensch pP
von sich aus selten oder nur langsam zu höheren Geschwindigkeiten &
übergeht. Wenn das Arbeitstempo zu rasch gesteigert wird, so treten '
meist bald Empfindungen der Ermüdung auf, die erst mit der genügen- dı
den Festigung des neuen Tempos wieder verschwinden. Darüber liegen N
wertvolle Aussagen der Versuchspersonen vor. Dem kann nur durch
nicht überstürzte Steigerung der Geschwindigkeit begegnet werden. Es
genügt völlig, wenn die Tendenz zu wachsender Geschwindigkeit beibe-
halten wird, damit nicht schon auf niedriger Stufe ein unvorteilhaftes
Tempo zur Gewohnheit wird. F.
Selbstredend darf man nicht über eine optimale Geschwindigkeit he
hinausgehen, sonst tritt eine dauernde physische Ermüdung und frübh- ne
zeitige Abnützung ein. Die optimale Geschwindigkeit ist aber aus oben- Be
erwähnten Gründen fast immer viel höher als die vorhandene Gewöh- el,
nung und jedenfalls höher als das Tempo, das sich Anfängerinnen in den wi
ersten Zeiten aneignen, wenn man sie sich selbst überläßt. Anderseits
liegt es auf der Hand, daß es im Interesse des Einzelnen wie der Allge- ;
meinheit gelegen ist, wenn der Weg zu optimalen Leistungen gewiesen 7
wird.
‚In der Praxis ist natürlich immer der Unterschied zu beachten zwi“ rn
schen dem eigentlich produktiven Arbeitsprozeß und den ebenfalls Zeit 1ä
absorbierenden Nebenarbeiten, Umtrieben und dergleichen. Bei der Ge
Näharbeit ergaben kombinierte ‚Bewegungs- und Zeitstudien an Durch- üb
schnittsarbeiterinnen, daß durchschnittlich etwa die Hälfte der Gesamt-
arbeitszeit für die Arbeit an der Maschine verbraucht wird; die andere So
Hälfte der Zeit entfiel zum Teil auf die vorbereitenden und abschließen- Dr
den Handlungen, wie Zurechtlegen des Materials, Zurechtsitzen. Zusam zu
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