Full text : Die deutsche Kaliindustrie

Maenicke: Durch die Reservewerke kann höchstens eine Steigerung
 der Gesamtproduktion um 10% erfolgen. 1927 betrug die Produktion
 12000000 dz K,0. Bei der Höchstleistung aller jetzt betriebenen
 Werke würden es vielleicht 14 500 000 dz K,0 sein. Dazu
kommt vielleicht noch durch die Reservewerke eine Monatssteigerung
von höchstens 100000 dz K,0 hinzu; so daß, wenn man bei den jetzt
betriebenen Werken mit einer monatlichen Höchstleistung von
1400000 dz rechnet, eine monatliche Gesamtleistung einschließlich
Reservewerke von 1 500 000 bis 1600 000 dz K,0 erzielt wird.
Vorsitzender: Also die Anpassung der Reservewerke würde
die Möglichkeit einer Gesamtproduktion von 15 000 000 bis 15 500 000 dz
gegenüber einem Absatz von 12 400 000 dz im letzten Jahr ergeben.

Auswahl der stillzulegenden Betriebe.
Sachverständiger Zirkler: Bei den Stillegungen war das Vorkommen
 der Salze maßgebend. Wir haben die Bergwerke mit niedrigem
Gehalt an Kali, vor allen Dingen die mit karnallitischen Salzen, stillgelegt,
 ebenso diejenigen, welche besondere Schwierigkeiten beim Abbau
machten. Die Gewinnung von Steinsalz hat im großen und ganzen bei
der Auswahl der betriebenen Schächte keine Rolle gespielt. Es gibt
jedoch Schächte mit minderwertigen Salzen, die man nur offengehalten
hat, da sie ein gutes Steinsalz förderten, So haben wir z, B. ein Werk
nur deshalb aufrechterhalten, weil es gutes Steinsalz hatte, haben aber
natürlich die Quoten von Werken mit weniger gutem Steinsalz diesem
Werk gegeben, damit es mit möglichst großem Nutzen arbeiten konnte.
An Nebenprodukten kommen Brom und Chlormagnesium, die auf den
Karnallitwerken gewonnen werden, in Betracht. Mit aus diesem Grunde
haben wir das alte Werk in Aschersleben aufrechterhalten. Allerdings
haben wir dort außer Karnallit auch noch hochprozentige Salze. Doch
sollte durch die Aufrechterhaltung gerade die Gewinnung der Nebenprodukte
 ermöglicht werden. Aus dem gleichen Grund hat meines
Wissens der Burbach-Konzern z. B. Krügershall in Betrieb gehalten.
Daneben gibt es andere Nebenprodukte wie Bittersalz und Glaubersalz,
die auch an der Werra gewonnen werden und dort neben dem rentierlicheren
 Kalibetrieb hergestellt werden können.
Sachverständiger Albrecht: Für die Stillegungen waren im allgemeinen
 weniger rein technische als vielmehr innerwirtschaftliche Gesichtspunkte
 entscheidend, die sich hauptsächlich auf die Beschaffenheit
und die Lagerungsverhältnisse der Kalisalze bezogen. Dabei konnte
nicht überall von dem Kaligehalt ausgegangen werden, bei einem
Konzernwerk eigneten sich z. B. die Kalisalze trotz ihres verhältnismäßig
 guten Gehalts nicht zur fabrikatorischen Bearbeitung, weil sie
sehr reich an feinverteiltem Kieserit und auch Langbeinit waren. Das
beeinflußt die Selbstkosten entscheidend. Dabei mußten wir später bei
Karnallit eine Ausnahme machen. Die Karnallitwerke sind im Gehalt
nicht so hoch wie die besseren Hartsalze und Sylvinite, die chemisch
reines Karnallit mit nicht über 16% K.0 enthalten. Ich darf hier vielleicht
 eine kurze Darstellung des Produktionsvorganges geben:

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