fullscreen: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

4. Die Genossenschaften. 
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Mo Hat, Vollswirtschastlichcs Lesebuch. 
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dieser Arbeitsteilung unproduktiv ist, da finden wir auch die Grenze für das Genossen- 
schastswesen. And ferner liegt die Grenze für das Genossenschaftswesen dort, wo die 
Genossenschaft zur Belastung mit unverhältnismäßigem Risiko führt, wo vielleicht die 
Genossenschaft dem einzelnen Mitgliede noch Vorteile zuführen kann, wo aber anderer 
seits das mit der Genossenschaft verbundene Risiko außer Verhältnis zu diesem Vor 
teile steht. And endlich wird eine Grenze für das Genossenschaftswesen — leider — 
gezogen durch den Konkurrenzneid, denn die Genossenschaft erfordert ein Zusammen 
arbeiten der im übrigen zum Teil miteinander im wirtschaftlichen Konkurrenzkampf 
stehenden Mitglieder. 
Der Grundgedanke der Genossenschaft läßt sich in folgenden Satz zusammen 
fassen : Zugänglichmachung der Vorteile des Großbetriebes für Klassen, die nach ihrer 
wirtschaftlichen Lage abseits vom Wege des Großbetriebes tätig sind, die oft mehr 
dessen Schatten- als dessen Lichtseiten kennen lernen, Anpassung der Betriebsweise der 
kleinen Gewerbetreibenden aller Art an moderne Bedürfnisse und Verhältnisse, Demo 
kratisierung des Kredits. 
Diese Grundgedanken kommen in den verschiedensten Genossenschaftsarten zum 
Ausdruck, also in den Kreditgenossenschaften, den Konsumvereinen, den Bau-, Magazin-, 
Produktiv-, Molkerei- und Winzcrgenossenfchaften, sowie in den gewerblichen und 
landwirtschaftlichen Rohstoffgenossenschaften. Es kann füglich behauptet werden, daß 
es keine anpassungsfähigere Rechtsform im wirtschaftlichen Leben gibt als die genossen 
schaftliche, womit keineswegs behauptet werden soll, daß auch überall die genossen 
schaftliche Organisaüon am Platz ist. Tatsächlich aber finden wir heute wohl kaum 
ein wirtschaftliches Gebiet, auf dem wir nicht der genossenschaftlichen Organisation 
begegnen. Die Genossenschaft, ursprünglich bestimmt für die Kleinbettiebe, hat heute 
Eingang gefunden auch in die Großbetriebe, und die genossenschaftliche Organisation 
wirkt cutf Gebieten, auf denen man sonst nur gewohnt ist, kapitalkräftige Aktien 
gesellschaften arbeiten zu sehen. Ein Beweis dafür: wir leben in der Zeit der Ring- 
und Kartellbildungen. In der Regel stellt man sich unter diesen Organisattonen 
großkapitalistische Gebilde vor. Dank aber der Anpassungsfähigkeit der genossenschaft 
lichen Organisation hat auch diese für Ringbildungen Verwendung gefunden. Es 
waren zunächst Spiegelglasfabriken in Bayern, die sich zur Regelung der Produküon 
vereinigten und zwar in der Form der Genossenschaft. Neuerdings haben wiederholt 
Ziegeleien zu gleichem Zweck Genossenschaften gebildet. Die Genossenschaft tritt damit 
in die Reihe der Großbetriebe. Schwerlich hat jemand diese Entwickelung des Genossen 
schaftswesens vorausgeahnt. Die Genossenschaft, ursprünglich bestimmt, die Lage der 
wirtschaftlich Schwachen zu dessen,, zu kräftigen, zu stützen, findet also Eingang in die 
Großbetriebe, tritt in die gleiche Reihe mit großkapitalistischen Anternehmungen. And 
doch ist ein erheblicher Anterschied zwischen dem kapitalistischen Syndikat und der auf 
genossenschaftlicher Gnmdlage beruhenden Vereinigung industrieller Anternehmungen. 
Der Anterschied liegt in dem Wesen und Charakter, in der Tendenz der beiden 
Gesellschaftssonnen.
	        
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