Object: Die deutsche Wirtschaft

20 Prof. Dr. Ernst Schultze: 
Lieferer. Die Staatsforsten von Thorn, Bromberg und Pommerellen, 
die unter preußischer Verwaltung ausgezeichnete Ergebnisse lieferten 
und mit weit vorausschauendem Blick bewirtschaftet wurden, werden 
nunmehr unter polnischer Herrschaft rücksichtslos niedergeschlagen, 
um die notleidenden Finanzen dieses Staatswesens wieder mit ein paar 
Millionen ausländischer Valuta (Käufer mit polnischer Mark werden 
nicht zugelassen) zu stützen, 
Wie kommt es wohl, daß in allen Plänen und Entwürfen über den 
Wiederaufbau Rußlands, das man für die Weltwirtschaft ebenfalls auf 
die Dauer nicht entbehren will, stets von Deutschland als einem der 
wichtigsten Faktoren die Rede ist? Die Ententeländer können die 
deutschen Ingenieure und Kaufleute mit ihren reichen Erfahrungen im 
russischen Geschäft nicht entbehren, 
Kürzlich schrieb der brasilianische Abgeordnete Ounsbel de 
Abranches in der von dem Generaldirektor für Handels- und Konsular- 
wesen im brasilianischen Ministerium des Äußern, Paul A. de Campos, 
herausgegebenen neuen Zeitschrift „Boletin Commercial de Brasil”: 
„Es ist tatsächlich sicher, daß durch den Versuch, Deutschland von der Kon- 
kurrenz auf den Weltmärkten auszuschalten, die Gefahr einer schweren wirtschaftlich- 
kommerziellen Störung auf der ganzen Erde heraufbeschworen wird, denn sein Beitrag 
zum Bestand und zum Fortschritt der organisierten Völker war vorherrschend, uner- 
Jäßlich und wesentlich, 
Für alle Teile der Welt verbilligte Deutschland das Leben, stellte Verkehrsmittel, 
erweiterte den Kredit, vergrößerte den Handel, linderte das Elend der Massen, regte 
die Industrien an, mit einem Worte, vergeistigte die Arbeit, indem es dem Proletariat 
Ansprüche auf einen gewissen Komfort und auf angemessenen Lohn gewährte, Insbe- 
sondere für uns Brasilianer erwies sich die deutsche Hilfe in allen Zweigen mensch- 
licher Tätigkeit als wohltuend und wertvoll.” 
Schließlich ist auch die Lage Deutschlands im Herzen Europas 
nicht auszulöschen. Verkehrsgeographisch ist daher unser 
Land für alle großen Pläne über die Gestaltung des europäischen Fern- 
verkehrs wichtig. Nicht nur die skandinavischen Länder werden für 
ihre Verbindung mit den meisten Ländern Europas Deutschland kreuzen 
müssen, auch unsere Kriegsfeinde können sich der gleichen Erkenntnis 
nicht länger verschließen. Ist doch der Versuch, die europäischen 
Durchgangslinien zu verbiegen, so daß sie Deutschland umgehen, als 
gänzlich gescheitert zu betrachten”). 
Der Weltluftverkehr kann Deutschland nicht willkürlich umgehen, 
Taucht irgendein größerer Plan auf (etwa der einer Luftverbindung 
zwischen England und Indien), so wird heute kaum noch der Versuch 
*) Siehe darüber meine „Zerrüttung der Weltwirtschaft”, 2. Aufl, Berlin, Stutt- 
gart, Leipzig: Kohlhammer, 1923, S. 131 ff („Die Zerreißung der europäischen Ver- 
kehrsnetze”) sowie das 6. und 17. Kapitel, 
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