Streites um den Youngplan in gemeinsamer
Arbeit für das Wohl des Volkes und des Landes
zusammenzufinden. Daß dieser Erlaß des Reichspräsidenten
allgemeine begeisterte Zustimmung
gefunden hat, ist der beste Beweis dafür, daß
Deutschland eben so ernst und pflichtgetreu an
die Durchführung des Youngplanes herangehen
wird, wie es fünf Jahre hindurch den Anforderungen
des Dawesplanes pünktlich und vollständig
nachgekommen ist. An Mangel an dem
guten Willen Deutschlands wird es nicht liegen,
wenn es sich im Laufe der Zeit herausstellen
sollte, daß der Youngplan nicht dauernd durchgeführt
werden kann, sondern lediglich daran,
daß die Reparationslast, die er Deutschland auferlegt,
in der Tat unerträglich wird. Die ungeheure
Zahl von 2 Milliarden Reichsmark im
Durchschnitt von 37 langen Jahren erschreckt
alle Deutschen, die gewohnt sind, wirtschaftlich
zu denken und ihre Pflichten ernst zu nehmen.
Gerade weil Deutschland auch nach der Rettung
aus der Katastrophe der Inflation unter der Herrschaft
des Dawesplanes in schwere Verschuldung
geraten ist, fürchtet man, daß die Reparationslast
des Youngplanes Deutschland in immer größere
Schulden verstricken werde, bis schließlich das
Wirtschaftsleben ganz zusammenbricht. Diese
Besorgnis mit Tatsachen zu entkräften, ist nicht
möglich, zumal das Experiment des Dawesplanes
keinerlei Handhabe dafür bietet, was Deutschland
aus eigener Kraft — also ohne ständige Aufnahme
von neuen Anleihen im Ausland — jährlich an
Reparation an das Ausland zahlen kann. Ob der
Youngplan durchgeführt werden kann oder nicht,
ob mit ihm das Reparationsproblem endgültig
und vollständig gelöst ist oder ob sich demnächst
eine Revision des Abkommens zum Zwecke einer
Neuregelung als notwendig erweisen wird, das
sind Fragen, die man nicht mit dem Verstand,
sondern höchstens mit dem Gefühl beantworten
kann und zu denen sich der wirtschaftliche Optimist
ganz anders einstellen wird wie der vorsichtige
Zweifler.
bg