Object: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Dentsche Erfolge i. äußersten Osten; Schicksale d. Kolonisation bis 1800. 418 
fast alles Land, das zwischen Elbe und Oder von der mecklen— 
burgischen Seenplatte südlich bis weit über die Havelseen hinaus 
sich ausdehnt, und enthielten noch jenseits der Elbe die Alt— 
mark, jenseits der Oder das Land Sternberg und die Anfänge 
der Neumark. Freilich zerfiel das herrschende Haus seit der Erb— 
teilung der beiden Markgrafen in eine Anzahl nebeneinander re— 
gierender Herren: nach einer alten Erzählung fsollen einmal 
neunzehn Markgrafen zugleich auf der Rathenower Höhe bei— 
sammen gewesen sein und geklagt haben, es seien ihrer so viele, 
drum genieße keiner fürstlichen Einkommens. 
Doch eben die Teilungen veranlaßten die Markgrafen nur 
zu immer erneuten Versuchen, sich für ihre kärgliche Ausstattung 
nach außen hin, am Gebiete der Nachbarn, zu erholen. Als 
dann Markgraf Waldemar (1809 — 1319) alle Besitzungen 
wiederum in einer Hand vereinte, da durfte er zweifellos 
als der mächtigste Fürst des Ostens, als einer der wichtigsten 
im Reiche gelten; im Jahre 1314 ist er als Kandidat für die 
Kaiserkrone genannt worden, wie sein Vorgänger Otto mit dem 
Pfeile schon im Jahre 1308; gegen Schluß seiner Regierung 
gebietet er als neuer Herr in Sagan und einigen Teilen Groß⸗ 
polens; und gegen einen Bund aller nordischen Mächte, Schwe— 
dens und Dänemarks, Polens und Rügens, hat er sich trotz 
der Niederlage bei Gransee (1316) zu behaupten und ehren— 
vollen Frieden zu erringen gewußt. 
Es sind Ehrungen und Ereignisse, die sich freilich bei aller kriege⸗ 
rischen Tüchtigkeit der Markgrafen völlig nur aus einer überaus 
raschen inneren Entwickelung des Landes erklären. In der That 
waren die Askanier ihren vorwiegenden Neigungen nach ein 
friedlich erwerbendes, organisatorisch hochbegabtes Geschlecht, echte 
Nachkommen Albrechts des Bären. Sie haben im Verlaufe 
weniger Generationen einen Staat geschaffen, der um die Wende 
des 13. und 14. Jahrhunderts noch immer als der best⸗ 
organisierte aller Kolonialstaaten des Ostens gelten konnte, 
wenn er auch schon die Anfänge jener eigenartigen Wendung 
der sozialen Bewegung zu zeigen begann, die fast überall im 
kolonisierten Osten seit dem 14. und 15. Jahrhundert das
	        
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