Full text : Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Drittes Kapitel.

Ottonische Renaissance; Rirchenreform
und Universalpolitik um die Wende des
10. und 11. Jahrhunderts.

4.

Die Karlingische Renaissance in ihren letzten Stadien hatte
auf deutschem Boden die Unterstützung der Laien, vor allem
des königlichen Hofes kaum mehr gefunden. Die Hofschule,
zu Karls des Großen Zeit und später noch in Westfranken der
eigentliche Brennpunkt der klassischen Bemühungen, ging östlich
der Vogesen bald völlig ein; damit ermattete die Bildung der
weltlich führenden Kreise der Nation; König Konrad J. konnte
wahrscheinlich nicht mehr lesen und schreiben, sicherlich nicht
Heinrich J.
Was von klassischen Bildungselementen noch vorhanden
war, das suchte vor dem gewaltigen Empordringen der alt⸗
nationalen Stammesbildung, wie sie im vorigen Kapitel ge—
schildert ist, Zuflucht in den Klöstern des Landes; St. Gallen
und Reichenau, Fulda und Korvey wurden zu inselgleichen
Pflegstätten antiker Uberlieferung in Deutschland: als der Vater
des heiligen Wolfgang seinem Sohne ums Jahr 940 eine bessere
Bildung geben wollte, suchte er sie nur in einem Kloster und
fand sie in der Reichenau.
Die Ottonen haben diese Bergestätten der klassisch-kar—
lingischen Rezeption dann geschützt und gefördert, indem sie die
Kirchenverfassung wiederherstellten, die sächsische Missionskirche
            
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