Full text: Probleme der Wirtschaftsgeschichte

VII. Die Entstehung des modernen Kapitalismus. 467 
„Der Gedanke, daß die mittelalterlichen Berufskaufleute in 
ihrer großen Mehrzahl durch ihre Handelstätigkeit zu Reich- 
tum gelangt wären, ist geradezu ungeheuerlich.“ „Ich bin natür- 
lich nicht so blödsinnig, eine Bereicherung durch Handel und 
starkte Akkumulation von Handelsprofit auch im Mittelalter 
zu leugnen. Was ich behaupte, ist vielmehr nur dies: daß die 
reichen Handelsherren schon vermögende Leute waren, als sie 
Handel zu treiben begannen, oder aber nebenher ihr Vermögen 
erworben haben. . . Die entscheid end en Momente der Kapital- 
bildung müssen außerhalb der Sphäre der normalen wirtschaft- 
lichen Vorgänge handwerksmäßigen Charakters aufgesucht 
werden“ (S. 227 ff.). Diese seine Anschauung begründet er 
in folgender Weise. Es ist ganz unbestreitbar, daß die Kaufleute 
des Mittelalters hohe Preisaufschläge gemacht haben. Aber 
aus ihnen darf nicht ohne weiteres auf hohe Profite geschlossen 
werden. Es läßt sich nachweisen, daß die hohen Aufschläge bei 
der Eigenart des mittelalterlichen Handels häufig genug mit 
niedrigen Profitraten Hand in Hand gingen. Das Plus wurde 
nämlich in sehr beträchtlichem Maße absorbiert durch die hohen 
Transportkosten und Zollgefälle und diejenigen Unkosten und 
Verluste, die aus der Unsicherheit der Straßen entsprangen 
(vgl. hierzu auch Luschin v. Ebengreuth in Zimmermanns 
Geschichte der Stadt Wien II, 863). Es kommt hinzu, daß das 
Geschäftsvermögen im mittelalterlichen Handel höchstens zwei- 
mal im Jahre umgeschlagen worden ist (S. 223). „Eine Empor- 
hebung über das Niveau der ursprünglichen Armut läßt sich 
im Gewerbe vielleicht noch eher denken als beim Handel.. . . 
Nur möchte ich auch hier vor Überschätzung warnen. Was wir 
uns aus der Sphäre des Handwerks an Kapitalbesitern empor- 
tauchend denken müssen, sind vielleicht neben ein paar Sonn- 
tagskindern eine Menge mittlerer Existenzen, eine Anzahl klein- 
kapitalistischer Unternehmer .. . Jene Reichtümer, die wir 
schon im Hochmittelalter . .. in Handel und Verkehr und teil- 
weise schon in der Produktion investiert finden, sie können .. . 
unmöglich aus den „Sparpfennigen‘ kleiner Handwerker ent- 
standen sein“ (S. 227). Wo häuften sich nun aber am Ende 
9):
	        
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