Full text : Allgemeine Gesellschaftslehre

Grundwissenschaft und Gesellschaftswissenschaft. Se 2
(„Gewußtes“) sei jenes Etwas als besonderes Etwas bestimmt, während
in Wahrheit nur Sinnen (Wissen) als besonderes Sinnen (W issen) bestimmt
 wird, Beachtet man aber nicht, daß mit dem Worte „Sinn“
niemals jenes „Etwas“, das man als „Sinn“ bezeichnet, bestimmt wird,
daß also z. B. mit dem Urteile, „Der Sinn seiner Worte ist der, daß A
weggegangen ist“, keineswegs das „Weggehen des A“, sondern die
Besonderheit des Wissens eines Redenden bestimmt wird, so ergibt sich
eine verhängnisvolle „metaphysische“ (== „sinnleere“) Deutung des Wortes
„Sinn“, nach welcher „Sinn“ sich ohne „Sinnen“ als irgendein besonderes
Gegebenes neben anderen Gegebenen findet, ohne daß freilich jenes
Gegebene in seiner Besonderheit bestimmt werden könnte. Die Sprache
weist aber zahlreiche „Sinnworte“ auf, d. h. Worte, mit welchen „Etwas
als Gewußtes“, oder, was dasselbe besagt, „Wissens besonderheiten“
bezeichnet werden. Ein reines „Sinnwort“ ist z. B. das Wort „Zweck“,
das, wie noch darzulegen ist, Besonderes als Gewußtes eines Wollens
bezeichnet, Übersieht man aber, daß mit dem Worte „Zweck“ lediglich
Wollenbesonderheiten bezeichnet werden können, so gerät man in
das Reich metaphysischer Dichtung mit seinen „absoluten Zwecken“.
Da ferner stetiger hitziger Streit um die Beantwortung der Frage
geführt wird, ob die Gesellschaftswissenschaft eine „wertende“ Wissenschaft
 ist, das Gegebene „Wert“ überdies, wie sich noch zeigen wird,
in mannigfacher Beziehung für das Unternehmen einer Gesellschaftslehre
 von Bedeutung ist, müssen wir auch hinsichtlich jenes Gegebenen
Klarheit gewinnen, ohne freilich in diesem Zusammenhange auch nur
die Grundzüge einer „Wertlehre“ entwerfen zu können. Das Wort
„Wert“ ist ein Beziehungswort, das stets ein identisches Allgemeines
 als Bezogenes einer besonderen Beziehung, nämlich einer „identischbegründeten
 Lustverwirklichungszusammengehörigkeitskette“,
 d. h. einer identisch begründeten Wirkenszusammengehörigkeitskette,
 in welcher sich als letzter identischer Wirkungsgewinn ein identischer
 Lustgewinn findet, bezeichnet, „Wert“ ist nun jedes identische
Allgemeine, das sich als identische wirkende oder grundlegende Bedingung
 in einer identisch begründeten Lustverwirklichungszusammengehörigkeit
 findet, ist somit „als identische Bedingung mit identischen
 Lustgewinne Zusammengehöriges“, und zwar entweder
„identische wirkende Bedingung für identischen Lustgewinn“ — „Wirkwert“
 — oder „identische grundlegende Bedingung für identischen
Lustgewinn“ — „Grundlagewert“, Jedes identische Allgemeine, das
ein „Wert“ ist, sich also in der eben dargelegten Beziehung findet,
nennen wir ein „als Wert in Betracht kommendes identisches Algemeines“
 (ein „identisches Wertallgemeines‘“). Die Worte „Wert“
und „identisches Wertallgemeines“ haben also einen verschiedenen
Sinn, da wir mit dem Worte „Wert“ ein identisches Allgemeines nur
            
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