Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

Untersuchung  der  Moorböden.

85

Da  durch  die  Herstellung  der  unter  1  genannten  Misohprobe  die  natürliche  Lagerung
und  Struktur  des  Moorbodens  unter  Umständen  stark  geändert  werden  kann,  so  ist  ferner  noch
die  Einsendung  mindestens  eines,  besser  mehrerer  Bodenwürfel  von  10  cm  Kante  aus  der
Oberfläohenschicht  des  Moores  bis  20  cm  Tiefe,  die  die  durchschnittliche  Beschaffenheit  der
Oberfläche  in  ungestörter  Lagerung  darstellen,  anzuraten.

II.  Vorbereitung  zur  Untersuchung  und  physikalische  Untersuchung.
Für  die  Beurteilung  der  Güte  und  Kulturfähigkeit  eines  Moorbodens  ist  es
sehr  wesentlich,  den  Grad  der  Zersetzung  zu  bestimmen,  in  welchem  sich  die  moorbildenden
  Pflanzen  befinden.  Es  ist  schwierig,  hierfür  bestimmte  Vorschriften  zu
geben;  nur  durch  Vergleichungen  einer  großen  Reihe  der  verschiedenartigsten  Moorbildungen ­
  in  den  verschiedensten  Zuständen  der  Mumifikation  ist  es  möglich,  Sicherheit ­
  in  der  Beurteilung  des  Zersetzungszustandes  zu  erlangen.
Im  allgemeinen  läßt  sich  folgendes  sagen;  Ist  die  Zersetzung  der  moorbildenden ­
  Pflanzenreste  so  weit  vorgeschritten,  daß  ihre  Struktur  mit  bloßem  Auge
nicht  mehr  erkennbar  ist  und  das  ganze  Bodenmuster  erdig  und  mehr  oder
weniger  krümelig  erscheint,  so  kann  die  Moorsubstanz  als  vorzüglich  zersetzt  bezeichnet ­
  werden.  Von  vornherein  darf  als  wahrscheinlich,  wenn  auch  nicht  als
sicher  angenommen  werden,  daß  ein  solcher  Moorboden  einen  verhältnismäßig
großen  Vorrat  an  Stickstoff  und  meistens  auch  an  Kalk  enthält.  Bei  weniger  weit
vorgeschrittener  Humifikation  sind  zahlreiche  in  ihrer  Struktur  noch  erhaltene
Pflanzenreste  erkennbar;  der  betreffende  Moorboden  wird  als  gut  oder  ziemlich  gut
zersetzt  zu  bezeichnen  sein.  Sind  fast  alle  Pflanzenteile  noch  vollkommen  erhalten,
arm  an  erdigen  Beimengungen,  unter  Umständen  noch  sperrig,  so  ist  die  Moorsubstanz ­
  mäßig  oder  schlecht  humifiziert.  Trotz  vollkommener  Erhaltung  der
äußeren  Struktur  kann  der  Zerfall  im  Innern  der  Pflanzenreste  so  weit  gediehen
sein,  daß  sie  z.  B.  beim  Zerreiben  zwischen  den  Fingern  vollständig  erdig  erscheinen.
Ein  so  beschaffenes  Moor  wird  sich  sehr  schnell  durch  die  Einwirkung  der  Atmosphärilien ­
  vollkommen  zersetzen,  es  ist  als  vorläufig  noch  mäßig  zersetzt,  aber  als
leicht  zersetzlich  zu  kennzeichnen.  —  In  jedem  Fall  wird  bei  den  Moorböden  von
unvollkommenem  Zersetzungszustand  nach  der  Anlage  der  Entwässerungsgräben
eine  mehr  oder  weniger  beträchtliche  Verdichtung  und  eine  dadurch  verursachte
Senkung  der  Mooroberfläche  ein  treten,  worauf  bei  dem  Vorschlag  von  Kulturmaßregeln ­
  notwendigerweise  hingewiesen  werden  muß.
"V  or  allem  ist  die  Bestimmung  der  Pflanzen,  aus  denen  das  Moor  entstanden
und  mit  denen  es  im  natürlichen  Zustande  bestanden  ist,  äußerst  wertvoll.  Sie  läßt
in  den  meisten  Fällen  sofort  erkennen,  ob  wir  es  mit  einem  von  Natur  graswüchsigen
sog.  Niederungsmoor  oder  mit  einer  vorwiegend  aus  Torfmoosen,  Heide  und  Wollgräsern ­
  entstandenen  Hochmoorbildung  oder  besser  einem  Heide-Moostorfmoore
zu  tun  haben.  Durch  zahlreiche  Untersuchungen  der  Moor-Versuchs-Station  ist  dargetan, ­
  daß  die  erstgenannten  bedeutend  kalkreicher  sind  als  die  letzteren.  Als
obere  Grenze  des  Kalkgehaltes  für  die  Hochmoore  wurde  0,5°/ 0 auf  Trockensubstanz ­
  berechnet,  als  untere  Grenze  für  die  ausgesprochen  graswüchsigen
Moore  2,5  °/ 0 ,  frei  gedacht  von  zufälligen  Bestandteilen,  ebenfalls  auf  Trockensubstanz
berechnet,  festgesetzt.  Zwischen  beiden  finden  sich  selbstverständlich  zahlreiche
Übergänge,  auch  können  in  demselben  Moore  durch  eine  Veränderung  der  Entstehungsbedingungen ­
  niederungsmoorartige  und  hochmoorartige  Schichten  in  abwechselnder
Lagerung  entstanden  sein.  Jedenfalls  gibt  die  Erkenntnis,  welche  Art  von  Moorboden ­
  vorliegt,  schon  für  die  analytische  Untersuchung,  die  Bestimmung  der  Zer-
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.