180 Einundzwanzigstes Buch. Erstes Kapitel.
eines nicht ungünstigen Friedensschlusses zu entziehen, und um⸗
gekehrt war sterreich aufs fühlbarste in orientalische, ja
ungarische Wirren verstrickt worden; es wird davon in anderem
Zusammenhange noch ausführlich die Rede sein. Die Folge
war, daß sich der deutsche Nordosten, insbesondere Branden⸗
burg, auf polnische Angriffe vorbereiten mußte, während der
deutsche Südwesten je länger je mehr der Hilfe und der Auf—
merksamkeit des Kaisers entbehrte. Und hier griff nun die
französische Kriegsführung in das Werk der Diplomatie er—
gänzend und fortführend ein. Nachdem die Kaiserlichen noch
im Jahre 1676 unter dem jungen Herzoge Karl von Loth—
ringen Fortschritte gemacht hatten, gelang es Crequi 1677,
Freiburg im Breisgau zu nehmen: womit der Kampf auf diesem
Kriegsschauplatze im ganzen sehr zum Vorteile der Franzosen
zum Stehen kam. Viel entschiedener aber gewannen Frankreichs
Heere in den Niederlanden Fuß: zum Teil, weil die Anteil⸗
nahme Spaniens am Kriege immer mehr einschrumpfte, nament—
lich aber infolge innerer Wandlungen in der nordnieder—
ländischen Republik: hier erholte sich die Aristokratenpartei
allmählich von ihrer Niederlage, und sie sehnte das Ende des
Krieges nicht minder heiß herbei wie den Sturz des Feldherrn
der Republik, Wilhelms von Oranien. Wenn trotzdem die
Fortschritte der Franzosen nicht ganz gleichmäßig waren, so
gab hierfür die diplomatische Geschicklichkeit des Oraniers den
Ausschlag, die seine militärische vielleicht übertraf: er machte
die Niederlage bei Casselberghe vom 11. April 1677 durch
seine Heirat mit der Nichte Karls II. von England, Maria
Stuart, wett, die ihm weite Aussichten in England eröffnete;
er wußte auch noch im Jahre 1678 den Entscheid seines Landes
zum Frieden zu verschleppen, trotz aller Fortschritte der Fran—
zosen, denen schon Ypern und Gent anheimfielen. Aber end⸗
lich vermochte er doch einen verhängnisvollen Abschluß nicht
zu verhindern.
Schon seit dem Jahre 1676 tagte in Nymwegen ein Kon⸗—
greß, in dem England den allgemeinen Frieden zu vermitteln
sruchte: und bald war er zum klassischen Tummelplatz der