Full text : Frédéric Le Play in seiner Bedeutung für die Entwicklung der sozialwissenschaftlichen Methode

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großen  asiatischen  Steppe  und  bei  den  Fronbauern  des  Oremburger
Landes.
Im  zweiten  Falle  ist  Mangel  an  verfügbarem  Boden,  und  die
Existenzmittel  bleiben  fortan  in  engen  Grenzen.  Doch  die  Familienväter ­
  erhalten  weiter  die  Gewohnheiten  der  Fruchtbarkeit.  Wenig
geübt  in  vorausschauenden  Berechnungen,  überlassen  sie  vertrauensvoll ­
  der  göttlichen  Vorsehung  das  Geschick  ihrer  Kinder.  Das  ist
die  Lage  der  armen  Bevölkerung,  die  auf  die  Arbeiten  in  den  Städten
und  auf  dem  Lande  angewiesen  ist.  Sie  zeigt  sich  oft  bei  den
zerrütteten  oder  zerstörten  Völkern,  die  in  den  beiden  letzten  Bänden
dieses  Werkes  beschrieben  sind.  Sie  ist  zahlreich  bei  den  süddeutschen ­
  Stämmen,  denen  die  guten  Beispiele  der  nördlichen  Stämme
fremd  geblieben  sind.  Der  Ursprung  dieser  Sachlage  liegt  gewöhnlich ­
  in  den  Sitten  oder  in  den  geschriebenen  Gesetzen,  die  die  natürlichen ­
  Verfügungen  der  Familienväter  hindern,  und  die  die  Kinder
zu  fortwährender  Teilung  der  Brocken  der  väterlichen  Erbschaft  ermächtigen, ­
  wie  winzig  sie  auch  durch  die  vorhergegangenen  Teilungen
geworden  sein  mögen.  Zuerst  werden  die  Erben  zu  dieser  Teilung
durch  den  Geist  der  Neuheit  getrieben,  durch  das  Vergessen  der
Tradition  und  die  Unkenntnis  der  wahren  Gründe  des  Wohlergehens,
und  bald  finden  sie  in  ihrer  Parzelle  mehr  ein  Hindernis  des  Fortschritts ­
  als  ein  Mittel  des  Erfolges.  So  gelangen  sie  schließlich
in  die  Lage  der  armen  Eigentümer.  Aller  Mittel  beraubt,  müssen
sie  sich  dann  zur  Auswanderung  entschließen.  Aber  sie  verfügen
nicht  über  die  Mittel,  die  die  Bauern  des  Nordens  ihren  auswandernden ­
  Kindern  sichern,  und  daraus  rekrutiert  sich  die  „arme
Auswanderung“.  Viele  deutsche  Verwaltungen  bemühen  sich  zwar,
durch  Heiratsverbote  der  Vermehrung  dieses  Teiles  der  Bevölkerung
zu  begegnen;  aber  die  Beobachtungen,  die  in  den  folgenden  Bänden
erwähnt  sind,  lassen  keinen  Zweifel  an  der  Unsittlichkeit  und
Unmöglichkeit  solcher  Maßnahmen.
Im  dritten  Falle  endlich  hat  die  ländliche  Bevölkerung,  die  auf
einem  ganz  besetzten  Boden  lebt,  die  glückliche  und  solide  Lage
bewahrt,  die  das  Wort  „Bauer“  ausdrückt.  Die  Familienväter,  die
frei  von  jeder  gesetzlichen  Fessel  in  bezug  auf  den  Gebrauch  ihrer
Güter  leben  und  der  Sitte  der  „Stammfamilie“  unterworfen  sind,
übertragen  dem  Anerben,  den  sie  auswählen,  das  ganze  Eigentum
am  Familiengute.  Geleitet  von  der  üblichen  Vorsicht,  nehmen  Vater
und  Erbe  von  den  Produkten  einzig  das,  was  zur  Erhaltung  der
Familie  unentbehrlich  ist;  der  Überschuß,  d.  h.  der  Reinertrag  der
            
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