Full text : Naturalwirtschaft und Geldwirtschaft in der Weltgeschichte

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Steuerpacht heraus hat sich also das Lehenswesen entwickelt, ohne
daß ursprünglich stets militärische Verpflichtungen auf den Belehnten
 gelastet hätten.
Mehrfach ist ein Unterschied in der wirtschaftlichen Entwicklung
 zu beobachten. Die Reichen und Großen vermochten
durch Ameliorationen und Anlegung von kleinen Industriebetrieben
 ihre Erträge beträchtlich zu steigern und strichen
schließlich auch einen Unternehmergewinn ein, während die einfachen
 Soldaten ihre an sich kleinen Lehen auch schlecht bebauten,
so daß sie verödeten und die Lehensträger sich mißbräuchlich
durch Bedrückungen zu entschädigen suchten”).
Das Lehenswesen ist ursprünglich der Ausdruck der Schwäche
der Staats- bzw. Zentralgewalt, die selbst die Steuern nicht erfolgreich
 und sicher einzutreiben vermag. Der Lehensträger ist damals
sigentlich nur Steuergarant®). Im späteren Mittelalter (14. Jahrhundert)
 hat sich dann das Lehenswesen rein agrarisch ausgebildet,
und in der Mamelukenzeit ist bei der Belehnung nur noch von
Militärpersonen die Rede**),
Die byzantinischen Einrichtungen haben sich besonders auch
auf dem Gebiete der Finanzwirtschaft forterhalten‘”). Die regelmäßigen
 Hauptsteuern (dnu6owa) setzen sich aus einer Geldleistung
und einer Naturalabgabe in Weizen oder Gerste zusammen. Auch
die außerordentlichen Steuern bestehen zum Teil in Naturallieferungen,
 z. B. Material für Schiffbau, Handwerkzeug oder gelernten
 Arbeitern und Matrosen.
Die Naturaleingäinge werden, soweit sie nicht zu Zwecken
der Naturalverpflegung aufgebraucht sind, an die staatlichen
Getreidespeicher (Staatsmagazine in Alexandria und Babylon) abgeführt.

In Ägypten wurden auf den Domänen nach der Ernte dem
Bauern die Pachtsumme in natura abgezogen, so daß nur der Rest
ihm zufiel.

Die Naturalwirtschaft kam aber auch in der Wirtschaft des
Staates und besonders des Hofes selbst zur Anwendung. Aus den

59) Vgl. den Bericht vom J. 945 bei Becker a.a.O. S. 242.
80) Becker a.a. O. S. 242.
%) Ebda. S. 245 £f.
62) Vgl. C. H. Becker, Ägypten im Mittelalter. Islamstudien x, 170 £.
            
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