[12
daß „im allgemeinen der Tausch den. Menschen noch fremd“ war®).
Kauf und Verkauf bildete noch keine alltägliche Erscheinung.
Soweit Metalle, u. zw. nicht nur edle (Silber), sondern auch unedle
als Umlaufsmittel benützt wurden, geschah dies in Form von
Schmuckgegenständen und Zierat, Münze ließ man ursprünglich
wohl hauptsächlich nur für die Zeit des Marktverkehres prägen!).
Vor allem ein Wort über die Völkerwanderung! Es ist neuer-
dings von kunsthistorischer Seite mit Recht betont worden, daß
die Wanderungen der Völker auch positive Wirkungen auf die
Kultur ausüben**). Sie stellen Beziehungen her, wo bis dahin keine
herrschten und beleben insbesondere den Handel. Es lassen sich nun
geradezu Quellenbelege dafür anführen, daß im 3., 4. und 5. Jahr-
hundert germanische Könige sich zum Abschluß des Friedens auch
deshalb bereit fanden, damit das Volk nicht durch Unterbrechung
des Handels Schaden erleide. So der Westgote Athanarich im
Jahre 369*?).
Der Handel wurde also keineswegs verschüttet, ebensowenig
wie die Römerstraßen, die ihm dienten.
Diese germanischen „Barbaren“ waren auch nicht bloß Vieh-
züchter und Nomaden, die den Gebrauch des Geldes nicht kannten.
Die Goten und andere Ostgermanen haben lange nahe Beziehungen
zu der griechischen Kultur am Schwarzen Meere besessen, die nicht
nur literarische Wirkungen auf sie ausgeübt haben!®), sondern
ebenso auch wirtschaftliche. Der Grieche Herodian sagt im 3. Jahr-
hundert bereits, daß die Germanen geldgierig seien und sich den
Frieden von den Römern reichlich mit Gold bezahlen ließen*?).
Schon Ende des 4. Jahrhunderts sehen sich die römischen Kaiser
Valentinian II. und Theodosius (379—383) zu einer Verordnung
veranlaßt, daß Goldzahlungen im Handel mit den Barbaren ver-
boten sein sollten und man eher danach trachten solle, das bei jenen
%) Ebda. S. 89.
%) Ebda. S. 94.
1) Vel. Josef Strzygowski, Altai-Iran u. Völkerwanderung. 1917, S. 234 ff.
'*) Ammianus Marcellinus, Rer. Gest, lib. XXVII 7, dazu meinen Aufsatz
„Frühmittelalterl. u. spätantike Wirtschaft“, in Festschrift für M. Hrußevsky
(z928), wiederabgedruckt in Verfassungs- u. Wirtschaftsgesch. des MA. Ge-
sammelte Aufsätze von A. Dopsch, 1928, S. 219 ff.
4) Vgl. Hans Naumann, Die neue Perspektive. Deutsche Vischr. f.
Literaturwiss. u. Geistesgesch. (1925), 3. Bd.
1) Vgl. Soetbeer, Forschg. z. Deutsch. Gesch. ı, 221.