Full text: Naturalwirtschaft und Geldwirtschaft in der Weltgeschichte

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daß „im allgemeinen der Tausch den. Menschen noch fremd“ war®). 
Kauf und Verkauf bildete noch keine alltägliche Erscheinung. 
Soweit Metalle, u. zw. nicht nur edle (Silber), sondern auch unedle 
als Umlaufsmittel benützt wurden, geschah dies in Form von 
Schmuckgegenständen und Zierat, Münze ließ man ursprünglich 
wohl hauptsächlich nur für die Zeit des Marktverkehres prägen!). 
Vor allem ein Wort über die Völkerwanderung! Es ist neuer- 
dings von kunsthistorischer Seite mit Recht betont worden, daß 
die Wanderungen der Völker auch positive Wirkungen auf die 
Kultur ausüben**). Sie stellen Beziehungen her, wo bis dahin keine 
herrschten und beleben insbesondere den Handel. Es lassen sich nun 
geradezu Quellenbelege dafür anführen, daß im 3., 4. und 5. Jahr- 
hundert germanische Könige sich zum Abschluß des Friedens auch 
deshalb bereit fanden, damit das Volk nicht durch Unterbrechung 
des Handels Schaden erleide. So der Westgote Athanarich im 
Jahre 369*?). 
Der Handel wurde also keineswegs verschüttet, ebensowenig 
wie die Römerstraßen, die ihm dienten. 
Diese germanischen „Barbaren“ waren auch nicht bloß Vieh- 
züchter und Nomaden, die den Gebrauch des Geldes nicht kannten. 
Die Goten und andere Ostgermanen haben lange nahe Beziehungen 
zu der griechischen Kultur am Schwarzen Meere besessen, die nicht 
nur literarische Wirkungen auf sie ausgeübt haben!®), sondern 
ebenso auch wirtschaftliche. Der Grieche Herodian sagt im 3. Jahr- 
hundert bereits, daß die Germanen geldgierig seien und sich den 
Frieden von den Römern reichlich mit Gold bezahlen ließen*?). 
Schon Ende des 4. Jahrhunderts sehen sich die römischen Kaiser 
Valentinian II. und Theodosius (379—383) zu einer Verordnung 
veranlaßt, daß Goldzahlungen im Handel mit den Barbaren ver- 
boten sein sollten und man eher danach trachten solle, das bei jenen 
%) Ebda. S. 89. 
%) Ebda. S. 94. 
1) Vel. Josef Strzygowski, Altai-Iran u. Völkerwanderung. 1917, S. 234 ff. 
'*) Ammianus Marcellinus, Rer. Gest, lib. XXVII 7, dazu meinen Aufsatz 
„Frühmittelalterl. u. spätantike Wirtschaft“, in Festschrift für M. Hrußevsky 
(z928), wiederabgedruckt in Verfassungs- u. Wirtschaftsgesch. des MA. Ge- 
sammelte Aufsätze von A. Dopsch, 1928, S. 219 ff. 
4) Vgl. Hans Naumann, Die neue Perspektive. Deutsche Vischr. f. 
Literaturwiss. u. Geistesgesch. (1925), 3. Bd. 
1) Vgl. Soetbeer, Forschg. z. Deutsch. Gesch. ı, 221.
	        
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