Metadata: Probleme der Wirtschaftsgeschichte

VIII. Der Untergang der mittelalterlichen Stadtwirtschaft 
Versuche gemacht, siezubeseitigenoderwenigstens ihren Geschäfts- 
betrieb einzuschränken; auch die mittleren und niederen Schichten 
der Bürgerschaften schlossen sich ihnen hierbei an!). Die Unter- 
stütung, die die großen Firmen hiergegen genossen, lag einmal 
in der städtischen Politik, soweit sie von ihnen beeinflußt wurde, 
sodann in der Haltung des Kaisers. Jene Bekämpfung der 
Monopolmacher hat die Landesherren nicht abgehalten, im 
einzelnen mit ihnen in Beziehungen zu treten. Die Fugger 
haben wohl mit allen namhafteren deutschen Landesherren in 
Geschäftsverkehr gestanden. Aber weit größere Bedeutung hat- 
ten für sie die Beziehungen zu den Häuptern großer Reiche. 
Und im übrigen entfaltet das Haus der Fugger eine Tätigkeit, 
die nur im Rahmen des Welthandels Plat findet?). Betreffs 
der deutschen Messen des 16.018. Jahrhunderts kann man dar- 
über streiten, ob sie nur der Volkswirtschaft oder teilweise auch 
der Weltwirtschafl angehören. Unbesstreitbar ist es, daß das 
Territorium einen viel zu kleinen Umfang hat, um als Grund- 
lage für den Verkehr einer Messe zu dienen. Die deutschen 
Börsen jener Zeit?) gelangen nicht zu einer großen 
1) Von besonderer Wichtigkeit sind in dieser Hinsicht die Beschlüsse 
des Nürnberger Reichstags. Vgl. O. R. Redlich, Der Reichstag von 
Nürnberg 1522923 (Leipzig 1887). Höchst interessant ist es zu beob- 
achten, wie die Vertreter der großen Handelshäuser die Absichten 
der deutschen Reichsstände beim Kaiser zu hintertreihen wissen. S. 
darüber Kluckhohn, Zur Geschichte der Handelsgesellschaften und 
Monopole im Zeitalter der Reformation, Historische Aufsäße dem 
Andenken an G. Wait gewidmet. S. auch Frensdorff, Zeitschrift 
der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte, Germanist. Abteilung, 
Vd. 20; oben, „Großhändler und Kleinhändler“’, S. 314ff. Auch hier 
(vgl. oben, „Theorien der wirtschaftlichen Entwickelung'’, S. 249ff.)sieht 
man übrigens, daß die Ausdehnung des Großhandels zum Teil da- 
von abhängig ist, welche Interessenkreise in der städtischen Verwaltung 
zu maßgebendem Einfluß gelangen. 
2) Welthandel und Weltwirtschaft sind ebenso relative Begriffe 
wie Weltgeschichte. Ich verstehe unter Weltwirtschaft eine Wirtschaft, 
die über den Rahmen der Volkswirtschast hinausgeht. (S. S. 182). 
3) Über die Gründung der Kölner Börse, s. die Nachrichten im 
Buch Weinsberg (herausgeg. von Höhlbaum und Lau), Bd. 2, S. 143;: 
Bd. 4, S. 184 und 268, durch die die Angaben von Ehrenberg, Zeit- 
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