27
liches Stück von der als Geld verwendeten Ware, als Zeichen
oder Symbol davon im Umlaufe bleibt. Bekannt ist, daß auch
Steine zu Geldzwecken Verwendung finden; so auf Jap (Karolineninseln)**)
mühlsteinähnlich bearbeitete und durchbohrte Scheiben
in verschiedener Größe aus Aragonit, den man auf den benachbarten
Palauinseln bricht. Bei dem Muschelgeld dürfte ursprünglich
wohl auch die Verwendung als Schmuck von Bedeutung
gewesen sein. Die verschiedenen Stadien der Bearbeitung sowie
die Muschelgeldschnüre (Perasali) vom Salomoarchipel veranschaulicht
eine Abbildung bei Koppers?*).
Zum Schlusse dieser kurzen Skizze über das Verhältnis von
Natural- und Geldwirtschaft bei den Völkern primitiver Kultur
seien nur noch zwei Tatsachen besonders hervorgehoben. Einmal,
daß eine Geschlossenheit der Wirtschaft oder volle Eigenwirtschaft
selbst dort nicht immer existiert, wo sie technisch leicht möglich
wäre, So werden bei den Todas in Südindien, die wesentlich von
der Milchwirtschaft leben, die Gefäße für diese nicht eigenwirtschaftlich
erzeugt, sondern von einem andern Stamm, den Kotas,
bezogen, der als nicht ebenbürtig betrachtet wird?!). Anderseits
kommt bei den Mongolen neben Naturaltausch und Naturalgeld
(Ziegeltee) als Zahlungsmittel doch auch Edelmetall (Silber in
Barren) vor. Als Scheidemünze (kleinere Zahlungsmittel) aber
dienen seidene Gewebe (Chadaks)?). Überdies sind hier für den
Handelsverkehr auch Banken vorhanden, die eine ökonomische
Notwendigkeit darstellen, da Metallgeld nicht in genügender
Menge existiert und die Silberbarren, nach Gewicht und Edelmetallgehalt
bewertet, keinen leichten Zahlungsmodus ermöglichen.
Die Bank gewährt Vorschüsse auf das Bankkonto. Als
direktes Zahlungsmittel wird vornehmlich der Ziegeltee verwendet??),
*®) Vgl. dazu auch O. Lenz, Über Geld bei Naturvölkern, 1895. P. Raymund,
Die Faden- und Abnehmespiele auf Palau. „Anthropos“, Internat.
Zschr. f. Völker- u. Sprachenkunde 6, 40 ff. (1911), sowie Th. Helmreich, Das
Geldwesen in den deutschen Schutzgebieten. Progr. d. Gymn. Fürth 1912—1915,
endlich Rob. Eisler, Das Geld. München 1924.
2) A. a. O. S. 571, vgl. auch bei Eisler, S. 109 ff.
2) Vgl. W. H. R. Rivers, The Todas (1906), S. 52 und 636.
2%) Vgl. H. Consten, Weideplätze der Mongolen im Reiche der Calcha
(1919), z, 123 ff.
23) Ebda. S. 122.