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Die Kümmerform des Beiles war eine Handelsusance; bei
Zahlungen kam es auf das Gewicht an. Daneben gibt es Kupfer-
barren, welche die Form ausgebreiteter Tierfelle ohne Kopf be-
sitzen. Auch kleine Goldbarren wurden gefunden‘).
Diese ägäische Kultur ist für unsere Betrachtung aus mehr als
einem Grunde äußerst wichtig. Sicherlich wird ihr die Natural-
wirtschaft nicht gefehlt haben. Der ackerbautreibende Teil der
Bevölkerung hat sie ohne Zweifel auch gekannt. Aber daneben war
ein ausgebreiteter Handel von Natur aus gegeben, der sich keines-
wegs im Naturaltausch erschöpfte, sondern auch bereits das Metall-
geld verwendete, wozu eben wieder die Bodenschätze der Ägäis
selbst die äußere Möglichkeit und Voraussetzung boten. Daneben
wird die Tatsache, daß dieser Handel zum guten Teile ein
Fernhandel war und nicht nur ein, sondern sehr verschiedene
Absatzgebiete besaß, deren Bedarf vielleicht nicht immer
naturalwirtschaftlich allein befriedigt. werden konnte, zur Ver-
wendung des Metallgeldes geführt haben. Nicht übersehen darf
dabei werden, daß gerade das Kupfer und auch Zinn ursprüng-
lich ein ebenso gesuchtes Bodenprodukt waren, wie etwa Wolle
oder Salz. Denn man verwendete gerade diese beiden Metalle zur
Herstellung von Bronze, die ihrerseits für die daraus verfertigten
Arbeitsgeräte und auch Waffen nicht zu unterschätzende Vorteile
gewährte.
Die Aufdeckung der Altkultur in der Agäis und ihrer Ver-
breitung ermöglicht uns heute auch eine ganz andere Beurteilung
der ältesten wirtschaftlichen Verhältnisse bei den Griechen.
Selbst hervorragende Kenner der griechischen Geschichte haben die
Zeit der Wanderungen, besonders der Dorier, in dem Sinne auf-
gefaßt, daß die Griechen damals noch Halbnomaden ohne festen
Wirtschaftsbetrieb gewesen seien‘). Die Viehzucht habe überwogen,
der Ackerbau habe daneben nur eine untergeordnete Rolle gespielt,
von städtischen Ansiedelungen konnte auf dieser Wirtschaftsstufe
noch keine Rede sein. Die Bevölkerung wohnte in offenen Dörfern
°) Vgl. Fimmen, Die kretisch-mykenische Kultur (1921), S. 122.
?) So hat K. J. Beloch, Griech. Gesch. 1? (1912), 8o, eine Stufe des Halb-
nomadentums angenommen mit der Behauptung, „Völker, die zu völliger Seß-
haftigkeit gelangt sind, ziehen überhaupt nicht mehr in geschlossener Masse auf
die Wanderung“.