Full text: Naturalwirtschaft und Geldwirtschaft in der Weltgeschichte

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große Geldmittel aufgebracht haben, die sie für die besonderen 
Zwecke ihres Gemeinwesens eben gerade benötigten®?). Der 
ökonomische Bedarf erscheint danach durch verschiedene Ursachen 
bedingt; ebenso verschieden waren auch die wirtschaftlichen Aus- 
kunftsmittel, deren man sich in den einzelnen Fällen bediente, um 
auf außerordentlichem- Wege im Falle der Not und des Mangels zu 
beschaffen, was durch die gewöhnlichen Leistungen nicht gedeckt 
werden konnte. Dabei spielte die individuelle Erfindungsgabe 
ebenso eine Rolle, wie die politische Macht, über welche das be- 
treffende Gemeinwesen oder die Gewalthaber zu der maßgebenden 
Zeit jeweils eben verfügten. Gerade in den außerordentlichen Auf- 
bringungen und der Spannkraft ökonomischer Leistungsfähigkeit, 
tritt die Eigenart der Wirtschaft zutage. 
U. Wilcken hat zur Charakterisierung der merkantilistischen 
Wirtschaft in der Zeit des Hellenismus und als Beleg für den Sieg 
der modernen Geldwirtschaft über die alte Naturalwirtschaft auch 
auf ein Zeugnis der Zenonkorrespondenz hingewiesen. Der Finanz- 
minister des Philadelphos, Appollonios, hatte vom König mehrere 
große Landgüter geschenkt erhalten. Zenon, der damals die Ver- 
waltung dieses großen Gutes führte, hatte den Auftrag erteilt, es 
solle Heu gegen Saatkorn ‘gekauft werden. Darauf erhielt er die 
Antwort: „Niemand will hier gegen Getreide verkaufen, sondern 
gegen Silbergeld®®).“ Das beweist, glaube ich, nicht soviel, als 
Wilcken daraus folgern wollte. Es war ganz natürlich, daß man 
auf dem Lande oder besser gesagt, innerhalb des agrarwirtschaft- 
lichen Produktionskreises, wo ein Überfluß an Naturalien vor- 
handen war, damals beim Verkaufe solcher das Silbergeld bevor- 
zugt hat. 
Wir dürfen deshalb noch keineswegs an eine allgemeine Über- 
windung der Naturalwirtschaft denken. Gerade die Parallele, 
welche Wilcken in seinem Aufsatz sonst zu der Wirtschaft des 
neuzeitlichen Merkantilismus, speziell in der Zeit Friedrichs d. Gr. 
von Preußen, gezogen hat, muß zur Vorsicht mahnen. Denn auch 
damals war ja die Naturalwirtschaft keineswegs gänzlich beseitigt. 
Friedrich d. Gr. hat z. B. die Verpflegung seines Heeres zum Teil 
noch naturalwirtschaftlich durchgeführt, durch Getreide- und Heu-, 
6) A.a.O. lib. II, c. 2. 
58) A,a.O. S. 2304.
	        
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