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Lohn und Gewinn.
nehmen, zahlreiche Unternehmungen schließen sich ihrerseits
zu größeren Verbänden zusammen und führen nun den seit
kurzem so berühmten Namen Trusts. Es sind wahre indu
strielle Armeen, die sich aus Armeekorps zusammensetzen, an
deren Spitze sich Generalfeldmarschälle befinden; diese hin
wiederum befassen sich nicht mehr mit der technischen Leitung
des Unternehmens, sondern überlassen diese Sorge Unter
führern, während sie sich selbst ausschließlich mit der finan
ziellen Leitung abgeben. Es sind das die Präsidenten der
Großen Verwaltungsräte, die oft Vorsitzende von zehn, zwan
zig Aufsichtsräten zugleich sind, die die ganze Industrie eines
Landes beherrschen. Man sieht dann jene Kolossalgestalten
auftreten, welche die Amerikaner mit einem so richtigen
Namen Jndustriekönige nennen; den Petroleumkönig, den
Stahlkönig, den Eisenbahnkönig. Der Hauptmann im Evan
gelium sagte: „Herr, bin ich doch ein Mensch in unterge
ordneter Stellung, aber unter mir habe ich Soldaten, und ich
sage zu diesem: gehe hin, so geht er, zu einem andern: komme,
so kommt er". Heutzutage gebieten die kapitalistischen Haupt
leute Tausenden, und wenn sie sagen: „gehe", so geht man, und
wenn sie sagen: „komme", so kommt man.
Es ist leicht verständlich, daß in den Händen dieser
Männer sich gewaltige Gewinne anhäufen, wie alle Wasser
tropfen, die sich in ein und demselben Bett vereinigen und
die großen Ströme bilden. Diese unerhörten Vermögen ent
stehen bis in die jüngste Zeit hinein; sie belaufen sich auf hun
derte von Millionen Einkommen und auf Milliarden Kapital
(wenigstens in Amerika). Es ist klar, daß persönliche Arbeit,
eine selbst mehrere Menschenleben hindurch geübte Sparsam
keit, solche Vermögen nicht schaffen könnte. Diese Industrie-
mammute scheinen eine typische Schöpfung des kapitalistischen
Zeitalters darzustellen wie die Ungeheuer der vorweltlichen
Fauna im heißen Schlamm der ersten Erdzeitalter.
Und doch sind sie nicht Ungeheuer oder Wucherer im land
läufigen Sinne, sondern im streng wissenschaftlichen Sinne „An
sammler" von Reichtümern. Wenn sie das Vermögen konzen
trieren, geschieht es, um es zu verteilen. Diese Besitzer des
großen Reichtums sind nur die Verteiler. Man hat die
Reichen mit den öffentlichen Springbrunnen verglichen, die
das Wasser aufnehmen, um es nach außen zu spenden. Man
könnte sie mit größerem Rechte mit jenen hohen Berggipfeln
vergleichen, auf denen sich die Schneemassen im Verlauf der
Jahreszeiten konzentrieren und ansammeln und sie nicht für