dem wechselnden Beschäftigungsgrad angepaßt zu werden, da sie dazu
leichter geeignet ist als die Thomas-Stahl-Erzeugung, die aus betrieb-
lichen Gründen möglichst gleichmäßig gehalten wird. Innerhalb des
Siemens-Martin-Verfahrens kann weiterhin ohne entscheidende technische
Hindernisse aus Erzen gewonnenes Roheisen an Stelle von Schrott und
umgekehrt verwendet werden. In welchem Umfang die beiden Stoffe
für die Erzeugung von Siemens-Martin-Stahl herangezogen werden, wird
aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten vor allem nach ihrer Preishöhe
entschieden.
In der Nachkriegszeit waren für die deutsche eisenerzeugende In-
dustrie bei dieser Entscheidung mit den rein wirtschaftlichen Erwägun-
gen andere Einflüsse verbunden. Durch die Gebietsabtretungen in Aus-
führung des Vertrages von Versailles verlor die deutsche eisenerzeugende
Industrie zunächst ihre Bezugsmöglichkeit von Minetteerzen. Außer-
dem mangelte es ihr in den ersten Jahren nach dem Kriege an Devisen
zum Kauf von ausländischen Erzen.. Zugleich reizte der starke Entfall
von Schrott aus Kriegsmaterial zu einem erhöhten Schrottverbrauch
an. In gleicher Richtung wirkte die Kohlen- und Köksknappheit dieser
Jahre, die zeitweise die für den Hochofenbetrieb verfügbaren Koks-
mengen stark beschränkte und so zur Verstärkung; der auf Schrott auf-
gebauten Siemens-Martin-Stahlerzeugung zwang, da sie nicht unmittel-
bar Koks und, auf Rohstahl berechnet, weniger Kohle benötigt. Deshalb
gingen auch in diesem Jalire die Hochofenwerke dazu über, große
Mengen Schrott zu verwenden, was vor dem Kriege nur in ganz geringem
Maße und in besonderen Ausnahmefällen geschehen war. Auf 100 € im
Hochofen: erzeugtes Roheisen kam im deutschen Reichsgebiet (heutiger
Gebietsumfang) ein Schrotteinsatz von
Jahr
1918
919
920
‚9321
922
1928
1924
1925
1926
1,24
:2,30
4,90
4,52
0,44
0,45
3,22
6,81
6.75
Während im Jahre 1913 auf 100 t im Hochofen erzeugtes Roheisen
nur ein Schrotteinsatz von 1,24 t kam, ist dieser Schrotteinsatz in den
Jahren 1920 und 1921 auf 14,90 t bzw. 14,52 t gestiegen, um. bis zum
Jahre 1926 wieder zu sinken. Heute, nach Überwindung jener Schwierig-
keiten, wird Schrott im Hochofen nur noch zugesetzt, wenn es sich um
minderwertigen, nur für den Hochofenbetrieb geeigneten Schrott handelt,
der in günstiger Frachtlage aufgekauft werden kann. .
Aus der nachstehenden Berechnung: ergibt sich, daß auch in den
Stahlwerken im. Vergleich zu den Jahren 1920/21. der Schrottverhrauch