fullscreen: Neueste Zeit (Abt. 3)

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Zweiundzwanzigstes Buch. 
deckte, so entfaltete sie auch erst den Sinn für die Erhabenheit 
allgemeinster, namentlich der herkömmlichen Meinung nach 
gestaltungsarmer, verschwommener Naturerscheinungen: der 
Wolken, des Himmels als Trägers von Lichteffekten überhaupt, 
des Meeres mit dem verwirrenden Bilde seines Wogen— 
dranges, der Licht und Luft ein- und ausatmenden gleich— 
förmigen Ebene. Es ist der Natursinn gleichsam der kosmischen 
und physischen Geographie großen Stils; Klopstock ist sein 
erster Meister gewesen. 
Zugleich aber nahm auch die Intensität der Natur⸗ 
beobachtung überraschend zu. Es würde Aufgabe eines be— 
sonderen Werkes sein können, dies eingehend nachzuweisen, 
wie uns denn Einzelheiten dieses Vorganges in der späteren 
Erzählung des Verlaufes der Dichtung wie der bildenden 
Künste immer wieder begegnen werden: hier kann es nur 
darauf ankommen, sich des Eindruckes des erfolgten Fort— 
schrittes an einem Beispiel zu vergewissern. 
Nach der Mitte des 17. Jahrhunderts dichtete Paul Ger— 
hardt: 
NRun ruhen alle Wälder, 
Vieh, Menschen, Städt' und Felder, 
Es schläft die ganze Welt; 
Ihr aber, meine Sinnen, 
Auf, auf, ihr sollt beginnen, 
Was eurem Schöpfer wohlgefällt. 
Wo bist du, Sonne, blieben? 
Die Nacht hat dich vertrieben, 
Die Nacht, des Tages Feind: 
Fahr' hin, ein' ander Sonne, 
Mein Jesus, meine Wonne, 
Bar hell in meinem Herzen scheint. 
Der Tag ist nun vergangen, 
Die güldnen Sterne prangen 
Am blauen Himmelssaal: 
Also werd' ich auch stehen, 
Wann mich wird heißen gehen 
Mein Gott aus diesem Jammertal.
	        
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