Beschreibung; vergleichende Methode; Begriffsbildung. 103
und nationalbkonomisch geschulte Leute, wie Hume und Dieterici früher, neuerdings Bücher
und Beloch, haben Methode und Zusammenhang in diese Untersuchungen gebracht, eine
vergleichende historische Vevölkerungsstatistik geschaffen. So wirken eben die aneinander
grenzenden Wissenschaften immer — S—
Eine einzige Methode nationalökonomischer Beobachtung kann es entsprechend der
Kompliziertheit des Stoffes natürlich nicht geben. Auf jeden Teil des Stoffes sind die
Mittel zu verwenden, die uns am weiteften führen, die uns das zutreffendste, wahrste,
vollständigste Bild der Wirklichkeit, der volkswirtschaftlichen Thatsachen geben.
Die Thatsachen kennen, sagt Lotze, ist nicht alles, aber ein Großes; dies gering
zu schätzen, weil man mehr verlangt, geziemt nur jenen hesiodischen Thoren, die nie
verstehen, daß halb oft besser ist als ganz. Und Lassalle meint in ähnlichem Zusammen-
hange: Der Sioff hat ohne den Gedanken immer noch einen relativen Wert, der Gedanke
ihne den Stoff aber nur die Bedeutung einer Chimäre.
44. Die Begriffsbildung. Richtig veschreiben, von einem Gegeastande
Merkmale aussagen, die Ursachen aufdecken, die Folgen feststellen kann nur, wer die
Erscheinungen, ihre Merkmale, ihre Konsequenzen mit Worten festen Inhalts bezeichnet.
Die Begriffsbildung hat die Aufgabe, die in der gewöhnlichen Sprache vorhandenen,
hon der Wissenschast benutzten, weiter gebildeten, oft umgedeuteten Worte zu diesem
Zwecke einer Eroͤrterung, Deutung und Fixierung zu unterwerfen. Diese Begriffsbildung,
für jede Wissenschaft eine ihrer wesentlichen Aufgaben, ist zunächst eine Fortsetzung
oder Potenzierung der natürlichen Sprachbildung. Jeder Sprachgebrauch geht vom an—
schaulichen, sinnlichen Bilde einer Erscheinung aus, in dem eine Summe von Vorstellungen
um eine herrschende gruppiert ist; das Wort ist dieser herrschenden Vorstellung ent—
nommen, bezeichnet das Bild mit allen seinen Vorstellungen; das Wort wird zu einem
abstrakten, konventionellen Zeichen, das bei allen Gebrauchenden die gleichen oder ähn⸗
lichen Vorstellungen hervorruft. Diese Vorstellungen sind aber nicht fixiert, es schieben
sich in die Wortbedeutung jeder lebendigen Sprache neue, wechselnde Vorstellungen ein;
die herrschende Vorstellung wird von einer anderen verdrängt. Und je allgemeinere
Vorftellungskreise ein Wort einheitlich zusammenfaßt, desto zweifelhafter ist in der ge—
wöhnlichen Sprache der damit verbundene Sinn. Die Wissenschaft hat nun das Be—
dürfnis, diese fließenden und schwankenden Vorstellungskreise immer wieder für ihre
Zwecke zu fixieren; sie verlangt möglichste Konstanz, durchgängige, feste Bestimmtheit,
Sicherheit und Allgemeingültigkeit der Wortbezeichnung. Die Definition ist das wissen—
schaftlich begründete Urteil über die Bedeutung eines Wortes. Indem wir definieren,
wollen wir für alle an der Gedankenarbeit Teilnehmenden eine gleichmäßige Ordnung
des Vorstellungsinhaltes und damit zugleich eine einheitliche Klafsifikation der Erscheinungen
eintreten lassen. Das ist aber immer nur bis zu einem gewissen Grade möglich. Die
Dinge selbst und alle unsere Vorstellungen über sie sind stets im Flusse begriffen; die
vollendete Klassifikation der Erscheinungen ist niemals ganz vorhanden; die Worte, mit
denen wir einen Begriff definieren, sind selbst nicht absolut feststehend; sie wären es nur,
denn es bereits ein vollendetes Begriffssysten gäbe, was nicht der Fall ist. Wir müssen
uns also in allen Wissenschaften mit vorläufigen Definitionen begnügen, dem weiteren
Fortschritte der Wissenschaft und des Lebens ihre weitere Richtigstellung überlassend.
Eine Wissenschaft, die schon ein relativ feststehendes Begriffssyftem hat, definiert
durch Angabe der nachsthöheren Gattung des Begriffes und durch den artbildenden
Unterschied; die Rationalökonomie und das ganze Gebiet der Staatswissenschaft ist nur
an einzelnen Stellen so weit, in dieser Weise definieren zu können: z. B. die Haus—
industrie ist eine Unternehmungsform, bei welcher der kleine Produzent nicht direkt ans
Publikum verkauft, sondern den Absatz seiner Produkte nur durch anderweite kaui⸗
männische Vermittelung erreicht.
In der Regel muß sie definieren, indem sie den Begriff in seine Merkmale zerlegt,
die wichtigsten zur Charakterisierung benutzt. Artet die Definition dadurch zu einer
breiten analytischen Beschreibung aus, so hört sie auf Definition zu sein, und riskiert, nicht
einmal die herrschende Vorstellung in den Mittelpunkt zu stellen. Betont sie in der Definition