fullscreen: Theoretische Sozialökonomie

8 42. Die Probleme der Münzzirkulation. 19 
Zeiten durch die politischen Verhältnisse außerordentlich erschwert. 
Bei der Zerrissenheit der staatlichen Organisation gab es eine Unzahl 
von Münzherren, von denen jeder seine eigenen Münzen prägte, und in 
getrennte Sorten zerfallen ließ, ja sogar Münzen von verschiedenen 
Typen in Umlauf setzte. Die Autorität des Münzherrn reichte gewöhn- 
lich nicht aus, um fremde Münzen von der Zirkulation in seinem eigenen 
Gebiete auszuschließen. Die Folge war, daß die Zirkulation aus einer 
bunten Mischung aller möglichen Geldsorten ohne irgendwelchen Zu- 
sammenhang untereinander bestand. Unter solchen Umständen kann 
natürlich keine einheitliche Preisskala mit in derselben ausschließlich 
anerkannten Zahlungsmitteln aufrechterhalten werden. Es kann dann 
meistens auch kein besonderer Münzwert bestehen, die Münzen müssen 
in der Hauptsache, wenigstens im größeren Verkehr, nach ihrem Metall- 
gehalt bewertet werden. Dieser Zustand des Geldwesens, wo also von 
einer Währung überhaupt nicht die Rede sein kann, wurde von 
Helfferich mit Recht unter dem Namen „Sortengeld‘“ als eine 
begrifflich selbständige Erscheinung charakterisiert!). Erst die Ent- 
wicklung des modernen Nationalstaates, der innerhalb seines Gebietes 
ein Prägemonopol unter Ausschließung fremder Münzen aus der Zir- 
kulation aufrechterhalten kann, hat die Unterlage für eine Münz- 
politik nach rationellen Prinzipien geschaffen. 
Eine solche Münzpolitik erfordert außerdem noch, daß der Staat 
seine wichtige Aufgabe auf dem Gebiet des Geldwesens anerkennt und 
gewillt ist für sie auch nach Bedarf Opfer zu bringen. Eine solche 
Auffassung war dem älteren Staate,’der im Münzwesen meistens haupt- 
sächlich eine Gewinnquelle sah, ziemlich fremd. Die Fortschritte auf 
dem Gebiete des Geldwesens sind also vielleicht in erster Linie der 
allgemeinen Entwicklung des Staatslebens zu verdanken. 
Daneben kommt besonders die Entwicklung der Prägetechnik in 
Betracht, die eine immer größere Gleichmäßigkeit in der Herstellung 
von Münzen bei immer sinkenden Prägekosten ermöglicht hat. Schließ- 
lich ist natürlich auch die steigende, wissenschaftliche Einsicht in die 
Natur der Geldprobleme von wesentlicher Bedeutung gewesen. 
Gehen wir nun zur Lösung der verschiedenen Probleme der Münz- 
zirkulation über, so haben wir erstens mit Bezug auf das Problem 
der Unveränderlichkeit des Geldes zu beachten, daß die ständigen 
Münzverschlechterungen der älteren Zeiten nicht lediglich von 
Gewinnsucht der Münzherren, sondern auch von objektiven Verhält- 
nissen, die die Münzherren nicht zu beherrschen vermochten, mit 
veranlaßt wurden. Die Schwierigkeiten, die hier in Frage kommen, 
sind von drei verschiedenen Arten, sie rühren teils von den hohen Präge- 
1) Das Geld. 2. Aufl. 1919, 
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