öas benachbarte JRoor Öen Brennstoff lieferte. £r(t später ist mir
klar geworden, wie glücklich die damalige Lage für die einzelnen
Schiffsbesitzer und Leeleute war. Ostfriesland hatte damals sehr
viele kleinere Holzschiffe, die namentlich nach Lngland oder nach
Norwegen fuhren, und von denen viele nur im Sommer ihre
wahrten ausführten. Viefe Leute waren sehr seegewandt; ste erreich
ten gewöhnlich einen behaglichen, wenn auch bescheidenen Wohl
stand, wenn nicht ein Seeunglück dazwischentrat. Über sie waren
auf sich selbst gestellt und konnten den Wettbewerb mit den grösseren
Schiffen zunächst aushalten. Später hat die technische Lntwick-
lung diese kleinen Schiffe zum guten Heil entwertet und die See
leute meist in den Dienst der grasten Schiffahrtsgesellschaften ge
trieben. Üuch auf diesem gebiete zeigt sich deutlich, wie die moderne
Industrie mit ihren technischen Leistungen das Individuum unter
drückt und seiner Selbständigkeit beraubt.
Häusliches Leben.
ach dem Tode meines Bakers und meines Bruders waren meine
tJ ^Mutter und ich allein auf uns selbst angewiesen; von früher
Zeit an hat meine Mutter mein geistiges Streben geteilt und auch
ihre Sorgen mir mitgeteilt. Bor allem lag auf ihr als eine schwere
Sorge unsere wirtschaftliche Lrhaltung. Unser Bermögen war
gering, und die Witwenpension betrug damals jährlich nicht mehr
als 600 Mark. Mein Baker wollte für die Zukunft sorgen, aber
er hatte sich an eine sogenannte Tontine angeschlossen, wo alle Teil
nehmer bis zu einem bestimmten Termine eine Summe zusammen-
zuschiesten hatten, um schliestlich die ganze Summe unter die
Überlebenden zu verteilen. Mein Baker starb kurz vor fenem Ter
min. So mustte meine Mutter für andere Mittel sorgen. Dies hat
sie später in der Weise getan, dast sie Pensionäre nahm. £s war ein
üusterer Qnlast, der ihr diesen Weg zeigte. Lin angesehener Bürger
von Lsens hatte auf der Insel beobachtet, wie sorgfältig und um
sichtig meine Mutter für mich sorgte. Lr kam nun mit der Bitte,
ihr den eigenen Sohn anvertrauen zu dürfen, der dann auch lange
Jahre hindurch bis zur Studienzeit in unserem Hause gelebt hat.
Diese Linrichtung siel meiner geistig regen Mutter schwer. Über
sie hat mit Llastizität und Lnergie das für uns Notwendige durch
geführt und dabei den ihr anvertrauten Kindern das Llternhaus
nach besten Kräften ersetzt; noch fetzt erhalte ich schöne Zeichen
der Dankbarkeit. Haus und garten galt dabei als gemeinsames
Ligentum, kleine Teste wurden veranstaltet, unsere Dichter oft
abends gelesen. Kurz, was wirtschaftlich eine Notwendigkeit war.