Full text: Bevölkerungslehre

3. Kap. Der Nahrungsspielraum 379 
weniges hervorzuheben. Eine günstigere Gestaltung der ländlichen 
Absatzorganisation — ein bis heute ungemein vernachlässigtes Gebiet 
— es sei nur an das Problem der Standardisierung erinnert, kann 
die wirtschaftlichen Voraussetzungen mancher Betriebsverbesserungen 
schaffen, die sich sonst aus den oben dargelegten Gründen für den 
Landwirt nicht bezahlt machen würden. Im Mittelpunkt jedoch all 
dieser wichtigen Aufgaben steht der Ausbau des landwirtschaft- 
lichen Unterrichts und der landwirtschaftlichen Fortbildung, Dinge, 
die bei uns durch Jahrzehnte über Gebühr vernachlässigt worden 
sind. „Es genügt heute nicht mehr, sich .damit zufrieden zu geben, 
wenn die Besucherzahl der landwirtschaftlichen Bildungsstätten steigt. 
Die Entwicklung geht viel zu langsam und verlangt notwendig eine 
Beschleunigung. Die steigenden Besuchsziffern dürfen nicht darüber 
hinwegtäuschen, daß sich leider noch der größte Teil der Landwirte 
den Lehrstätten fernhält .... Dann wissen auch die bäuerlichen 
Betriebsleiter vielfach nicht, daß ihnen mehr oder weniger das Wissen 
fehlt, welches dazu gehört, um einen Landwirtschaftsbetrieb wirklich 
intensiv und rationell zu gestalten .... Im Interesse des Volksganzen 
muß der Befähigungsnachweis gefordert werden“ ?). Bei diesen Fragen 
der Ertragssteigerung in der Landwirtschaft handelt es sich aber 
auch um gesellschaftliche Momente, vor allem um die Frage 
der Besitzgröße der ländlichen Güter. Allerdings sind diese Zu- 
sammenhänge heute noch keineswegs völlig geklärt, es herrscht durch- 
aus nicht Einstimmigkeit darüber, welcher Betriebsgröße unter dem 
Gesichtspunkt der Marktleistungen und des Rohertrages die größere 
Bedeutung zukommt. Wahrscheinlich hängt das doch in erster Linie 
von der Produktionsrichtung ab ?). Mag es sich aber dabei auch um 
eine Frage handeln, die heute nicht eindeutig beantwortet werden 
kann, so gibt es doch darüber keine Meinungsverschiedenheit, daß bei 
ganz großen Gütern, namentlich beim Latifundienbesitz, die Ertrags- 
gestaltung recht ungünstig ist und daß besonders die Häufung zahlreicher 
Güter in einer Hand ein schweres Hindernis für Fortschritte in der 
Landwirtschaft bedeutet. Bei zu großen Besitzungen handelt es sich 
einmal darum, daß die vom Wirtschaftshofe entfernter liegenden 
Teile des Gutes aus bekannten Gründen nicht intensiv bewirtschaftet 
werden können und daß vielfach das vorhandene Kapital zu gering 
1) M. Mahling, Die Steigerung d, Jandwirtschaftlichen Produktion. In „Volk 
a. Raum“. Herausgegeben von Sombart 10928, S. 95/96. 
2) Vgl. dazu Z. B. die entgegengesetzten Ansichten von Keup u. Mührer, Die 
volkswirtschaftl. Bedeutung von Groß- u. Kleinbetrieb i. d, Landwirtschaft und 
M. Hainisch, Die Landflucht, 1924.
	        
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