Full text : Encyklopädie der Rechtswissenschaft (Bd. 1)

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Erwin  Respondek,

Von  allen  diesen  Schwierigkeiten  kann  sich  die  französische  Industrie ­
  in  nennenswertem  Umfange  kaum  befreien.  Und  die  Export-Industrie
  vermag  den  Ausfall  nicht  wett  zu  machen,  obgleich  ihr  das
Meer  offen  steht,  und  damit  der  Güteraustausch  leicht  zu  bewirken  ist.
Ihre  Wirksamkeit  ist  durch  ungenügende  Finanzierung  lahm  gelegt.
30  %  der  Ausfuhr  gingen  nach  Deutschland  und  Belgien  und  den  weitaus
größten  Teil  des  Exportes  bildet  bekanntlich  der  Luxusgegenstand.
Die  starke  Einschränkung  der  Luxusausgaben  in  europäischen  und  außereuropäischen ­
  Ländern  muß  eine  entsprechende  Einschränkung  in  diesem
Produktionszweige  mit  sich  bringen  und  wirkt  so  hemmend  auf  die
Tätigkeit  zurück.
Die  Landwirtschaft  wird  —  wie  nachstehende  Zahlen  zeigen  —
durch  den  Krieg  zwar  weniger  scharf  berührt,  leidet  aber  dennoch  unter
anderen  ungünstigen  Einflüssen.  Die  Gesamtanbaufläche  Frankreichs
war  am  1.  Mai  des  Jahres  1915  im  Vergleich  zu  1914  in  ha;

Getreide-Anbaufläche  1914  und  1915.

1914

1915

1914

Korn

6  500  000

5  700  000

—  0  800  OOO

Weizen  .  .  .  .

1  200  000

1  000  000

0  200  OOO

Hafer

3  900  000

3  300  000

—  0  600  OOO

Summa

11  600  000

IO  OOO  OOO

—  1  600  OOO

d.  h.  rund  13,8  °/ 0  der  Gesamtfläche  weniger  als  im  Jahre  1914.
Es  sind  hier  nur  zwei  der  wichtigsten  Bestimmungsgründe  angeführt
worden,  die  ohne  Zweifel  bei  der  Prüfung  der  Frage:  Moratorium  oder
Darlehnskasse  das  Endurteil  wesentlich  mitbestimmt  haben  dürften.
Welche  anderen  Erwägungen  die  französische  Regierung  außerdem
geleitet  haben  mögen,  ist  hier  von  keiner  hohen  Bedeutung,  da  sie  jedenfalls ­
  den  beiden  angeführten  untergeordnet  sind  und  sich  auch  nicht
mit  entscheidender  Kraft  durchgesetzt  haben.
Auf  Grund  dieser  Darlegungen  ist  wohl  zu  ersehen,  daß  Frankreich
zum  Schutze  seiner  Wirtschaft  nur  ein  allgemeines  Moratorium  heranziehen ­
  konnte.  Aus  ihnen  folgt  weiterhin,  daß  der  Nichterlaß  eines
Moratoriums  kein  Zeichen  besonderer  Leistungsfähigkeit  einer  Nationalwirtschaft ­
  ist,  die  mit  Darlehnskassensystem  arbeitet,  und  daß  das  Moratorium ­
  selbst  kein  Zeichen  von  Schwäche  zu  sein  braucht.  Das  Moratorium ­
  hat  doch  nur  die  Aufgabe,  Vergünstigungen  und  Erleichterungen
den  durch  schwere  Zeiten  bedrängten  Schuldnern  zu  gewähren.  Ein
Land  wie  Frankreich,  das  gegen  einen  überwältigenden  feindlichen
Ansturm  anzukärapfen  hatte  und  besonders  in  den  ersten  Kriegswochen
in  eine  geradezu  arge  militärische  und  wirtschaftliche  Bedrängnis  gelangte, ­
  konnte  der  ängstlichen  und  verzagenden  Bevölkerung  eine  weitgehende ­
  Befreiung  von  den  Zahlungspflichten  nicht  versagen.  Dies
um  so  weniger,  als  noch  viele  im  Volke  sich  der  Vorgänge  aus  dem  letzten
            
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