Zerfall des Reiches.
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Italien, um zu schnellerem Ende zu gelangen; zu Pfingsten
des Jahres 1200 ward dem Papst die bevorstehende Romfahrt
Philipps verkündet.
Es war ein unkluger Schritt. Innocenz ward nun ge—
zwungen, sich mit den deutschen Verhältnissen zu beschäftigen;
er konnte es nicht anders, als zu Gunsten Ottos. Er trat mit
ihm in Unterhandlung; am 1. März 1201 erkannte er ihn
persönlich und privatim als König an, wogegen sich Otto
unterm 8. Juni 1201 nochmals, wie schon am 9. Juni 1198,
zur Anerkennung der päpstlichen Rekuperationen verpflichtete,
eine mittelitalienische Politik nach den Wünschen des Papstes
oersprach und schließlich gelobte, das sizilische Königreich bei
der päpstlichen Oberhoheit zu erhalten. Der Lohn war die
nunmehr öffentliche Anerkennung Ottos, der Bann über Philipp:
beides wurde am 3. Juli 1201 zu Köln durch den päpstlichen
Legaten Guido von Palestrina ausgesprochen. Es war eine für
Philipp immerhin ungünstige Wendung. Einige Bischöfe fielen
hon ihm ab; auch der thüringer Landgraf Hermann und König
Ottokar von Böhmen wechselten die Partei.
Allein Otto hatte inzwischen im äußersten Nordosten selbst
den ersten Grund zu seinem Sturze gelegt. Hier entwickelte
sich damals die dänische Macht unter König Knud in jähem
Fortschritt gegen die Kolonialgebiete des Reiches; die wendische
Ostseeküste wurde dänisch; im Jahre 1201 schlug der Dänen⸗
könig auch den thatkräftigen Grafen Adolf III. von Holstein.
Alledem hätte Otto als deutscher König entgegentreten müssen.
Er that das Gegenteil. Er ging ein Freundschaftsbündnis
mit Knud ein, verlobte seinen jüngeren Bruder Wilhelm
nit einer dänischen Königstochter und trat ihm die wel—
fischen Besitzungen im Nordosten ab: schon nannte sich Wilhelm
Herzog von Sachsen; unter dänischem Schutze schien eine große
welfische Macht an Elbe und Nordsee im Entstehen begriffen.
Der Vorgang machte die sächsischen Fürsten stutzig und be⸗
ingstigte auch den Erzbischof von Köln: niemals waren die
rürstlichen Wähler Ottos gemeint gewesen, mit seiner Erhebung
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