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A. Tatsachen
der Regelung der Kalkulation steht auch die rationelle Verwertung
der Rohstoffe. Die außerordentlichen Mengen von Abfällen, die
gerade im handwerklichen Produktionsprozeß entstehen, können durch
gemeinschaftliches Zusammenarbeiten in viel staͤrkerem Maße ver⸗
wertet werden, als dies bisher der Brauch war.
Eine besondere Rolle kommt im Rahmen der Rationalisierung des
Handwerks noch der Organisation der Kundenwerbung zu.
Der Handwerker ist — auch heute noch — gewöhnt, daß die Kunden
zu ihm kommen und Bestellungen auf die ihnen bekannten Waren
und Leistungen aufgeben. Er will meist nicht einsehen, daß der Kampf
um den Absatz mit den modernen Mitteln der Handwerkstechnik
heute für je den Gewerbezweig die wichtigste Voraussetzung seiner
Rentabilität ist. Die Organisationen des Handwerks versuchen in
dieser Hinsicht seit einigen Jahren mit Nachdruck auf die einzelnen
Mitglieder einzuwirken. Sie veranstalten vielfach auch Gemein⸗
schaftsreklamen des Fachverbandes oder der örtlichen Organisationen.
Die Anwendung geschmackvoller Reklame spielt hierbei eine große
Rolle. Es sei in diesem Zusammenhang nur an die Reklame des
deutschen Schneidergewerbes, des Konditorengewerbes usw. erinnert.
Derartige Gemeinschaftsaktionen sind auch die beste Gegenwirkung
gegen den schlimmsten Feind der Rationalisierung im Handwerk,
den zaͤhen und verhärteten Individualismus im Handwerkerstand.
In der theoretischen Vorbereitung und Propagierung der Ratio⸗
nalisierung im Handwerk hat insbesondere das bereits erwähnte
Forschungsinstitut für rationelle Betriebsführung im
Handwerk in Karlsruhe in den letzten Jahren Vorbildliches ge⸗
leistet. Sein Ziel ist: „für die Forderung und Weiterbildung der Be⸗
triebswirtschaft im Handwerk zu wirken und wissenschaftliche For⸗
schungen auszuführen“. Das Institut arbeitet in engster Verbindung
mit dem Reichskuratorium für Wirtschaftlichkeit und ist in zwei Ab⸗
teilungen gegliedert, in die Abteilung für technische Betriebs⸗
wirtschaft mit dem Sitz in Karlsruhe und in die kaufmaͤnnische Ab⸗