Object: Neueste Zeit (Abt. 3)

300 Vierundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel. 
als junger Mann gleich so manchem anderen Deutschen eine 
Stelle als Arzt auf einem Schiffe der Niederländisch-Indischen 
Kompanie angenommen, war nach Java gelangt und machte 
dort bei Blutentziehungen aus dem menschlichen Körper die 
Erfahrung, daß das Blut eine andere, hellere Färbung hatte 
als daheim in Deutschland. Diese Tatsache veranlaßte ihn 
zum Nachdenken — und zu ihrer Erklärung fand er, in einem 
„Gedankenblitz“ im Sommer 1840 auf der Reede von Soera⸗ 
baya, das Gesetz von der Erhaltung der Kraft. 
Ein auf den ersten Augenblick beinahe unglaublicher, fast 
mysteriös erscheinender Zusammenhang! Aber ist nicht Newton 
die Idee der Gravitation durch einen vom Baume fallenden 
Apfel erweckt worden? Mayer kannte von seiner Tübinger 
Studentenzeit her Lavoisiers Lehre von der physiologischen 
Oxydation: nach ihr unterliegt die Nahrung im organischen 
Körper einer langsamen Verbrennung, deren Folge die tierische 
Wärme ist. Dabei muß die innere Verbrennung, um die 
normale, nur geringe Schwankungen zulassende Wärme aufrecht⸗ 
zuerhalten, um so intensiver gestaltet werden, je mehr der 
tierische Körper Wärme nach außen abgibt: die Nahrung muß 
also in kälteren Ländern reicher an Verbrennungsstoffen sein 
als in warmen oder gar unter den Tropen. Daß dies der Fall, 
daß also bis dahin die Rechnung richtig war, schien Mayer 
aus der Tatsache der anderen Färbung des Blutes unter den 
Tropen hervorzugehen, denn diese war offenbar Folge des ge— 
ringeren Sauerstoffverbrauchs, der hier mit der Assimilierung der 
Speisen verbunden ist. So weit also schien der Prozeß auf⸗ 
geklärt und alles in Ordnung. Allein erfolgte denn, so fragte 
Mayer weiter, die Regulierung des Verbrennungsprozesses im 
tierischen Körper tatsächlich allein durch die Aufnahme ver— 
schiedener Quanten von Nahrung? Widersprach dem nicht die 
Erfahrung von der großen Gleichmäßigkeit, mit der dieser 
Prozeß trotz aller Unregelmäßigkeiten der Nahrungsaufnahme 
in Gang erhalten wird? Und er suchte noch nach einem 
anderen Regulator der tierischen Wärme: und fand ihn in der 
tierischen, organischen Arbeit. Denn war es nicht klar, daß
	        
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