fullscreen: Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

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Giordano Bruno. 
obersten mathematischen Gesetze ist. Immer handelt es sich 
für ihn um die Erschliessung jener inneren Wesenheit der 
Dinge, auf deren Erkenntnis Galilei ausdrücklich Verzicht leistet, 
um sich der reinen Ordnung der Phänomene zuzuwenden, 
(Vgl. S. 310.) Die Kategorie der Substanz bildet daher auch bei 
ihm den maassgebenden und vorherrschenden Gesichtspunkt; nur 
dass gegenüber dem Aristotelischen System ihre Anwendung 
und ihre metaphysische Funktion eine andere geworden ist. In 
diesem Sinne kann man sagen, dass Bruno dasjenige, was Galilei 
in der Logik geleistet, in der Ontologie vorbereitet hat. Noch 
tritt bei ihm der Begriff der Relation gegenüber dem Begriff 
des Dinges zurück; aber indem er die Wissenschaft von dem 
Einzelobjekt hinweg auf die Allnatur zurückweist, schafft er da- 
mit den Uebergang zu der neuen Ansicht, für die die „Natur“ 
mit dem allgemeinen Gesetz gteichbedeutend wird. Er selbst 
ist es, der hie und da seinen Grundbegriff genau in diesem Sinne 
bestimmt: „die Natur ist nichts anderes, als die Kraft, die den 
Dingen eingepflanzt ist und das Gesetz, nach dem sie ihren 
eigenen Lauf vollenden.“5%) Mit Kepler teilt Bruno sodann die 
Grundtendenz, den Begriff der Materie zu neuer Kraft und Gel- 
tung zu erwecken, den Stoff, der bisher der reinen Gestalt und 
dem reinen Wesen entgegengesetzt war, als ursprüngliches und 
„göttliches“ Sein zu behaupten. Aber auch hier tritt die Ver- 
schiedenheit der Grundrichtung charakteristisch hervor: denn 
wenn Bruno der Materie eine eigene innere Schaffenskraft und 
damit eine eigene seelische Tätigkeit zuspricht, so verweilt 
Kepler lediglich bei ihrer Bestimmung als Quantität, um aus 
ihr den Zusammenhang mit der Geometrie und der exakten ge- 
setzlichen Erkenntnis abzuleiten. — 
N 
Bei aller Konsequenz, mit der die Erkenntnislehre Brunos 
sich aus den Grundsätzen seiner Naturphilosophie entwickelte, 
enthält sie dennoch, schärfer betrachtet und zergliedert, eine 
innere Antinomie. Die Dinge, die uns in der Wahrnehmung
	        
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