RUSSLAND. — Sociale, Gewerbs- und Handels Verhältnisse.
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und 310; von den letzten waren 230 in russ. Sprache, 38 deutsch, 29
franz., 5 armenisch, 2 englisch (Schiffslisten), 3 lettisch, 2 esthnisch,
1 georgisch, 2 russ.-deutsch, 2 russ.-franz. etc.
Mangel an Verkehrsmitteln. Russland ist bekanntlich ein Getreide
erzeugendes Land. Allein abgesehen von den in ihren W irkungen natOrl.
noch nicht überwundenen frühem socialen Missständen, kann man
die natürlichen Vortheile nur wenig benützen. Es fehlt nicht etwa blos
an guten, sondern es fehlt überhaupt an brauchbaren Strassen, ln
Folge dessen herrscht jedes Jahr in einer Anzahl Provinzen Theuerung,
selbst Hungersnoth, indess sich die andern in einem Zustande von Ueberfluss
befinden, aus dem sie keinen Nutzen zu ziehen vermögen. Das
Schwanken der Getreidepreise ist so gross wie im Mittelalter. Der russ.
Domänenminister sprach sich 1847 in einer Denkschrift bezeichnend
darüber aus. Während 1845 im Pskow’sehen Gouvernement der Tschetwert
Roggen bis 10 Rubel stieg, galt er 85 Meil. entfernt noch nicht 1 '/%.
In einem und demselben Gouvernement steigt und fallt der Preis nach
Massgabe guter oder schlechter Erndten um das Sechs— und Zehnfache.
So wechselte derselbe in Stawropol zwischen 1 Rub. o7 Kop. und 17
Rub. 28 Kop.l —Den eigenen Getreidebedarf Russlands berechnete der
Minister zu 30 Mill. Tschet wert (00 Mill. Hectoliter), die Ausfuhr, nach
lOjährigem Durchschnitte, zu 2*/* Millionen. Diese Ausfuhr kommt nur
den Seeprovinzen zu statten, und während die Preise hier zuw eilen bedeutend
steigen, bleiben sie im Innern auf dem tiefsten Stande. Wäre
doch ein ganzes Jahr Zeit nOthig, um den dortigen Ueberfluss nur nach den
Seehäfen zu bringen ! Die nördlichen Ströme sind zu lange gefroren, um
dem Verkehre wesentlich dienen zu können; die gewaltige Wolga geht
blos nach einem Binnensee; der Dnjepr und andere Flüsse sind wegen
Stromschnellen oder versandeter Mündung wenig schiffbar ; ganze Gouvernements
(Kursk, Charkow etc.) entbehren jedes schiffbaren Gewässers.
Der Minister klagt ; Die Donaufürstenthümer führen gegen 900,000
Tsch. Getreide aus ; Aegypten 1 % Mill.; selbst die Türkei beginnt Fruchtexportation
; mit der gefährlichsten Concurrenz bedroht uns aber Nordamerika.
In gewöhnlichen Jahren betragen h rächt und Assecuranz nach
London, pr. Quarter :
aus den baltischen Häfen 5— 7 Shill.
- Odessa 10—12
- Nordamerika . . . 7— 8 -
so dass die geringere Entfernung fast keinen Vorzug mehr gewährt.
Der Werth des* ausgeführten Getreides ward so berechnet (in S. - Rub.):
1845; Ui’572,751
1840: 28’02'.»,010
1847: 71’270,552
1848; 2P005,045
1850: lil’207,188
1852: 84’244,559
185:1: 55’o:i3,883
1856: 56’602,374
1857: 51*588,981
1858: 50*288,657
1860; 63*8:10,110
1861; 69*161,601
Die Wolle production ward 1858 auf 1*250,000 Zollcentner geschätzt;
die W ein production stieg 1853 in Bessarabien, der Krim, Cherson und
Podolien auf mehr als 440,000 Hectol., wovon allerdings ein ansehnlicher
Theil auf den seitdem verlorenen Bezirk von Bessarabien kam.
Trotz des natürl. Reichthums an Mineralien betrug die Gesammtausbeute
doch nur (in russ. Pud’s):