11
eine Sache herzustellen, von deren Austausch er sich einen beson
deren Vorteil verspricht. Je ausgebildeter diese Arbeitsteilung wird,
desto mehr Vorräte sind naturgemäß nötig, oder, indem wir den ganzen
Satz umkehren, je mehr Vorräte angesammelt sind, desto mehr kann
die Arbeitsteilung, die im Anfangsstadium der Gemeinschaftswirtschaft
sicher die mächtigste Förderin des Fortschrittes war, vor sich gehen.
Nun ist es aber leicht einzusehen, daß der Mensch, wenn er sich
dauernd mit einer ganz bestimmten Tätigkeit beschäftigt, in dieser
Tätigkeit eine größere Geschicklichkeit sich aneignet *), als wenn er
sich abwechselnd auch noch anderen zur Befriedigung seiner Bedürf
nisse nötigen Beschäftigungen hingeben müßte. Er kann also, da er
dies nicht zu tun braucht, mit demselben Aufwand von Arbeit eine
größere Anzahl von Gütern hersteilen, oder um es wieder anders aus
zudrücken : er kann sein Kapital intensiver vermehren wie früher. Wir
sehen: es ergibt sich so eine Wechselwirkung von Arbeit und Kapital,
die sich beide gegenseitig fördern und vermehren, eine Wirkung, die
aber deshalb nicht ad infinitum fortgesetzt werden kann, weil die
Arbeitsteilung nur bis zu einem gewissen Grade die oben ausge
führten vorteilhaften Wirkungen hat, wie wir denn auch in der letzten
Zeit an dieser Grenze angekommen zu sein scheinen. Wenigstens
macht sich ganz allgemein der Umschwung bemerkbar, sowohl die ein
zelnen Betriebe in einer Hand zu vereinigen, als auch in der Ver
teilung der Arbeit an die einzelnen Arbeiter nicht mehr weiterzu
gehen.
Doch nach dieser kurzen Abschweifung zurück zu unserem Thema:
je fleißiger ein Volk ist, d. h. je größer das Verhältnis der arbeiten
den Personen zu den nichtarbeitenden ist, desto größer wird der Wohl
stand des Volkes sein. Aber Smith erkennt sofort, daß dieses Gesetz
in der eben ausgesprochenen allgemeinen Form nur für die ersten
Anfänge der Arbeitsteilung gültig sein kann, und daß nach und nach
eine solche Differenzierung in der Arbeit eingetreten ist, daß sich eine
Modifizierung als nötig erweist. Und so teilt er die Arbeit, abge
sehen davon, daß sie von verschiedener Intensität sein kann, in zwei
Gruppen: produktive und unproduktive Arbeit * 2 ); produktiv ist sie
dann, wenn sie dem von ihr verarbeiteten Materiale noch einen
neuen AVert hinzufügt, unproduktiv, wenn sie diese Eigenschaft
nicht hat.
*) Smith, a. a. 0., I, 11.
2 ) Ders., a. a. 0., II, 80 ff.