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Bier und seine Rohstoffe.
die Blaufärbung erst in dem 48 oder 72 Stunden alten Röhrchen erhalten, so kann
man auf 5 bezw. 1 °/ 0 Unterliefe schließen. Ist die Flüssigkeit nach 72 Stunden
gelb, so war die Hefe frei von ünterhefe.
Doch ist dieses Verfahren mit Vorsicht zu verwenden, da es auch Melibiose
vergärende Oberhefen bezw. solche nicht vergärende Unterhefen gibt.
c) Prüfung der Hefe auf
Gärkraft. Um in Gärungsgewerben,
insbesondere auch in Bäckereien einen
Anhaltspunkt für den Gebrauchswert
einer Hefe zu gewinnen, bestimmt
man deren Gär- und Triebkraft. Als
erstere bezeichnet man die zucker
spaltende Kraft innerhalb eines bestimmten Zeitraumes, als letztere die Lebhaftig
keit des Eintrittes der Gärung unmittelbar nach der Verteilung der Hefe in der
Zuckerlösung. Beide werden durch die Menge der entwickelten Kohlensäure ge
messen.
Es sind hierfür zwei Verfahren ausgearbeitet: das eine von Meißl, nach
welchem die Kohlensäure gewogen, das andere von Hayduck und Kusserow, nach
welchem die Kohlensäure volumetrisch bestimmt wird. Ersteres Verfahren verdient
nach den bis jetzt gemachten Erfahrungen den Vorzug.
a) Verfahren von
Meißl. 400 g Rübenzucker-
raffinade, 25 g saures phos
phorsaures Ammon
(NH 4 H 2 P0 4 ) und 26 g saures
phosphorsaures Kalium
(KHjPO^ werden fein zer
rieben und innig gemengt.
Von diesem Gemenge gibt
man 4,5 g in ein Erlenmeyer-
Kölbchen (Fig. 289 A) von
70—80 ccm Inhalt, welches
in einem doppelt durchbohrten
Kautschukpropfen ein bis auf
den Boden reichendes, am
oberen Ende mit Kautschuk
stöpsel b verschlossenes Röhr
chen a und ein kleines Chlor
calciumrohr c oder ein soge
nanntes Gärventil c mit etwas
Schwefelsäure trägt. Das im
Kölbchen befindliche Zuckergemisch wird sodann mit 50 ccm eines eigens her
gestellten gipshaltigen Wassers gelöst. Letzteres stellt man her, indem man 30 Teile
einer gesättigten Gipslösung mit 70 Teilen destilliertem, luftgesättigtem Wasser ver
dünnt. Die Sättigung mit Luft geschieht zu dem Zweck, Fehlerquellen zu vermeiden,
welche dadurch entstehen könnten, daß das angewendete destillierte Wasser bald
mehr, bald weniger Luft enthält. Man führt sie aus, indem man das Wasser in
halbvollen Flaschen schüttelt oder Luft durchleitet. In die so hergestellte Lösung
bringt man genau 1 g Hefe und verteilt dieselbe durch Schwenken und Zerdrücken
mittels eines Glasstahes so weit, daß keine Klümpchen mehr erkennbar sind, sondern
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Fig. 288.
Petri-Schale mit Tropfenkultur im Querschnitt.