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Bier und seine Eohstoffe.
Füllung mit Wasser in niedriger Schicht auf diesem schwimmt. Genau nach einer
halben Stunde wird der Hahn der Heßröhre geschlossen, das Wasser in der engen
Eöhre durch den Hahn e (Fig. 290) so weit abgelassen, daß es mit der Höhe des Wassers
hezw. der Petroleumschicht in der weiten Röhre gleich steht, und nun die Anzahl ccm,
welche die entwickelte Kohlensäure ausfüllt, ahgelesen. Bei dem Kusserowschen
Apparat liest man die Menge des durch die Kohlensäure verdrängten, in einem ge
teilten Meßzylinder aufgefangenen Wassers ah. Diese Zahl kann dann entweder
direkt als Ausdruck der Gärkraft der Hefe angegeben werden, oder man berechnet
das Gewicht des durch 100 g Hefe zersetzten Zuckers, indem man die gefundene
Zahl ccm Kohlensäure mit dem Faktor 0,03841 multipliziert. (342 g Rohrzucker
liefern bei vollständiger Vergärung 176 g Kohlensäure, und da 1 ccm Kohlensäure
0,001977 g wiegt, so ist das Gewicht des Rohrzuckers, welches nötig ist, um 1 ccm
342
Kohlensäure zu liefern: p™ X 0,001977 = 0,003841 g.)
B. Bier. 1 )
Bier ist ein durch Gärung aus Gerstenmalz — oder zum geringen Teil für be
stimmte Sorten aus Weizenmalz —, Hopfen, etwas Hefe und Wasser hergestelltes, noch
in schwacher Nachgärung befindliches Getränk, welches neben unvergorenen, aber
zum Teil noch vergärbaren Extraktstoffen als wesentliche Bestandteile Alkohol und
Kohlensäure * 2 ) enthält.
Man unterscheidet:
1. Je nach Art des verwendeten, bei niedrigen oder höheren Temperaturen gedarrten
Malzes helle und dunkle Biere. Tiefdunkle Färbungen werden durch gebranntes Malz
(Parbmalz), oder gebrannte Körnerfrüchte (Gerste), oder durch gebrannten Zucker (Zucker
couleur), oder durch überhitzte Würze erzielt.
2. Je nach der Art der Gärung obergärige Biere, bei denen die Gärung bei höheren
Temperaturen in kürzerer Zeit verläuft und die Hefe oben abgeschieden wird (z. B. Weiß
bier, Gose, westfälisches Altbier, belgische und englische Biere), und untergärige
Biere, für welche die Gärung bei niedrigeren Temperaturen und längerer Gärdauer vor
genommen wird und die Hefe sich unten absetzt.
3. Je nach der Stärke der Stammwürze Dünnbiere oder Abzugbiere (mit 8 bis
11 °/ 0 Stammwürze) und solche mit mehr Stammwürze (12—20°/ 0 ). Brstere pflegen nach
kürzerer Lagerung (als Winter- oder Hefenbiere), letztere nach längerer Lagerung (als
Lager- oder Sommerbiere) in den Handel gebracht zu werden. Letzterer Unterschied ver
schwindet aber immer mehr.
4. Je nach dem Vergärungsgrad und der Stärke der Stammwürze weinige, d. h.
alkoholreiohe und extraktarme (wie Märzenbier) und vollmundige extraktreiche, wenig ver
gorene Biere, zu welchen letzteren z. B. Salvator- und Bockbier gehören. Doppeltbier
nennt man an einzelnen Orten ein im Vergleich zu dem ortsüblichen Bier stärker ein
gebrautes, vorzugsweise obergäriges Bier,
Das Pilsener Bier pflegt stärker gehopft zu sein.
Im übrigen werden die Biere meistens nach den Produktions-Orten (als Münchener,
Dortmunder, Pilsener usw.) unterschieden.
5. Bei einigen anderen Bieren wird z. B. die Verzuckerung durch Pilzenzyme (wie
beim japanischen Eeisbier) oder die Vergärung durch Schimmelpilzhefen (Jopenbier) oder
Spalthefen (Hirsebier der Neger) bewirkt.
*) Vergl. Vereinbarungen z. einheitlichen Untersuchung usw. Heft III, 1902; Berlin
bei Jul. Springer.
2 ) Einige Biere, wie Alt-Ale usw., sind fast frei von Kohlensäure.