Object: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Piperazin 
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Plastilin 
Piperazin (lat. Piperazinum, frz. Piperazine, 
engl. Piperazin), ein neueres Arzneimittel, wird 
durch Behandlung von Äthylenbromid mit Am 
moniak, nachfolgendes Erwärmen mit Natrium 
nitrit und Zersetzung des entstehenden Dinitroso- 
P. als eine farblose Kristallmasse dargestellt. Die 
als Diäthylendiamin, (C 2 H 4 . NH) 2 , anzuspre 
chende Verbindung zieht leicht Wasser und 
Kohlensäure an, schmilzt bei 104—107 0 und siedet 
bei 145°. P., wie auch sein salizylsaures und 
milchsaures Salz, wird als harnsäurelösendes 
Mittel bei Gicht, Steinbeschwerden und Zucker 
krankheit verordnet. 
Piperin (lat. Piperinum, frz. Piperine, engl. Pi 
perin), die im schwarzen, weißen und langen 
Pfeffer enthaltene stickstoffhaltige Base, C 17 H 19 . 
N0 3 , bildet kleine, farblose, glasglänzende Kri 
stallnadeln, die in Wasser selbst in der Siede 
hitze nur wenig löslich sind, sich dagegen leicht 
in kochendem Weingeist, Benzol, Chloroform und 
Äther lösen. Das P. ist geruchlos und geschmack 
los, wird aber durch Kochen mit alkoholischer 
Kalilauge in Piperidin und piperinsaures Ka 
lium verwandelt, von denen ersteres, eine stark 
basische Flüssigkeit, nach Pfeffer riecht. — Su 
matrapfeffer soll etwa 8°/o, Singaporepfeffer 7%, 
Penangpfeffer 5 “/o und weißer Pfeffer durch 
schnittlich 9 0/0 P. enthalten. P. und Piperidin 
werden .bisweilen medizinisch, hauptsächlich aber 
zur Darstellung von Heliotropin (s. unter Pipero 
nal) verwandt. 
Piperonal (Methylenprotokatechualde- 
hyd, Heliotropin) entsteht bei der Oxydation 
von Isosafrol in Form weißer Kristalle, die 
bei 35—37 0 schmelzen, bei 263° sieden und als 
Parfüm verwandt werden. Neuerdings wird P. 
bisweilen an Stelle des Vanillins untergeschoben. 
Pipi -raiz, die Wurzel der in Brasilien ein 
heimischen Phytolakzee Petiveria hexa- 
glochin, bildet hin und her gebogene Stücke 
von graubrauner Farbe und 3—6 mm Dicke und 
wird im Ursprungslande medizinisch angewandt. 
Pipitzahoinwurzel (lat. Radix pipitzahoinae, 
Radix pereziae, frz. Racine pipitzah.uac, engl. 
Pipitzahuak root), eine aus. Mexiko kommende, 
stark abführend wirkende Wurzel, stammt von 
mehreren Arten der 'Gattung Perezia, nament 
lich von Perezia Schaffneri, Perezia rigida 
und Perezia oxylepsis. ihr wirksamer Be 
standteil, die Pipitzahoinsäure oder das Pere- 
zon, ein Allylderivat des Oxybenzochinons, bil 
det kleine, schön goldgelbe Kristallblättchen, 
die bei 103—104 0 schmelzen und gleichzeitig 
schon zu sublimieren anfangen. Die Säure löst 
sich leicht in Alkohol, Äther, Chloroform und 
Benzol und gibt mit Alkalien Salze, deren Lö- ; 
sungen tiefrot-violett gefärbt sind. Verwendung 
finden die Wurzel und die Säure als kräftig ab 
führendes Mittel, namentlich bei Hämorrhoidal- 
leiden. > 
Pistazien (grüne Mandeln, lat. Nuces pista- 
ciarum, frz. Pistaches, engl. Pistachio nuts) sind 
die Fruchtkerne oder, wenn diese noch in ihrer 
harten Schale liegen, die ganzen Steinfrüchte der 
echten Pistazie (Pisfacia vera), eines kleinen, 
zu den Terebinthazeen gehörenden Baumes, 
der in Arabien, Syrien und Persien heimisch 
ist. aber auch in Kleinasien, in N ordafrika (Tunis) 
und namentlich auf Sizilien angebaut wird. Der 
Baum hat männliche und weibliche Blüten auf 
besonderen Stämmen verteilt, so daß zur Befruch 
tung auch männliche Pflanzen mitgehalten wer 
den müssen. Die Früohte sind länglich zugespitzt, 
von der Größe und Form einer Hasel- oder Lam 
bertsnuß, haben äußerlich ein dünnes, runzliges 
l'ederartiges Fleisch von grünlicher oder rötlicher 
Farbe und innerhalb Ider holzig harten, zweiteili 
gen Schale einen 'länglichen, dreikantigen Kern, 
der von einer graurötlichen Samenhaut umschlos 
sen ist. Die beiden Keimlappen besitzen durch 
ihre ganze Masse 'eine hübsche mehr oder weni 
ger grüne Färbung. Der Geschmack des öl 
reichen Kerns ist dem der süßen Mandeln ähn 
lich, aber noch süßer und öliger und mit einem 
besonderen angenehm bitterlichen Beigeschmack. 
Je nachdem die ganzen Früchte oder die ent- 
sohälten Kerne zugegen sind, unterscheidet man 
Pistaziennüsse und Pistazienkerne. Die levan- 
tische Ware gilt als die bessere, kommt aber 
selten oder doch nicht unvermischt zu uns. 
Meist finden sich sizilische P. im Handel, deren 
Kerne außen violett, innen grün erscheinen und 
sehr veränderliche Größe zeigen. DiekleinenKerne 
von Tunis sind außen rötlich, innen lebhaft grün, 
und werden deshalb von Konditoren sehr gesucht, 
während die großen, aber innen gelben Aleppo- 
P. wenig begehrt sind und häufig durch grün 
gefärbte Mandeln ersetzt werden. Außerdem 
dienen die P. wie Mandeln als Dessert, Zusatz 
zu Magenmorsellen u. dgl. Die Ware ist nicht 
lange haltbar, sondern wird infolge ihres starken 
Ölgehaltes leicht ranzig. 
Pittakal (Eupittonsäure), ein Farbstoff, der 
schon längst als ein bereits fertig gebildeter Be 
standteil des Holzteers bekannt ist, aber auch 
durch Oxydation von Pyrogalloläther und Me- 
thylpyrogalloläther künstlich hergestellt werden 
kann, ist seiner chemischen Zusammensetzung 
nach als Hexaoxymethylaurin zu betrachten. Das 
P. ist mehrfach für die Färberei empfohlen'wor 
den, hat sich aber bis jetzt noch nicht einbürgem 
können. Es färbt tierische Fasern in saurer Lö 
sung orange, in ammoniakalischer und besonders 
bei Gegenwart von Zinnbeize blauviolett. Das aus 
Holzteer bereitete P. bildet blaue, dem Indigo 
ähnliche, in Wasser unlösliche Stücke, das künst 
liche eine kristallinische Masse. Die alkalischen 
Lösungen sind blau und werden durch Zusatz 
von Essgisäure rot. 
Plantox-Kraft-Extrakt ist ein fleischextrakt 
ähnliches Erzeugnis, das aber neben 45 °/o Koch 
salz nur etwa 50/0 Fleischextrakt enthält, während 
die übrigen Teile aus Hefe oder anderen Pflanzen 
stammen. 
Plasmon, ein neueres Nährmittel, wird durch 
Behandlung von Kasein mit Natriumbikarbonat 
hergestellt und besteht aus löslichem Kasein 
natrium. P. wird auch als Siebolds Milch 
eiweiß bezeichnet. 
Plastilin (Plastizin) nennt man verschieden 
gefärbte Modelliermassen, die als Grundlage wei 
ßen Bolus, Zinkoxyd, Stärke und Schwefelblumen, 
als Bindemittel fette Öle, Fettsäuren, Wachs. 
Lanolin, Terpentin u. dgl. enthalten. Aus einem 
Gemisch von 40 g Schwefelblumen, 10 g weißem 
Bolus, 20 g Weizenstärke und I g Ultramarin er 
hielt man durch nacheinander folgendes Ver 
kneten mit io g Stärkekleister, je s g Wachs, La
	        
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