108
statten, immer schneller wird die Strafe jeder Ein
seitigkeit und Engherzigkeit folgen: Immer unab
hängiger von individueller Willkür, immer automati
scher wird die Entwicklung der Wissenschaft vor
sich gehen — wie die Entwicklung auf allen anderen
Gebieten sozialen Seins auch. Immer weniger heftig
werden Vorwärtsbewegungen und Rückschläge wer
den, immer größer das Gebiet methodologischer und
sachlicher Communis opinio, immer weniger dicht die
Staubwolken ,weniger laut die Schlagworte und Fan
faren. Immer mehr wird die Logik der Dinge durch
die scharfe Kante bitterer Erfahrungen sich ein
schneiden in das Bewußtsein der Einzelnen und
immer „folgerichtiger“ wird auch das individuelle
Verhalten werden — immer mehr den Charakter der
Ausarbeitung des Vorhandenen annehmen.
Die Macht also, die schon bisher eine konsequente
Entwicklung garantierte, muß immer stärker werden.
Unter ihrem Druck wird die Wissenschaft in stetem
Wechsel von Zielsetzung und Zielerreichung ins Un
endliche strömen, d. h. dahin strömen ohne jede an-
gebbare Grenze, ohne jedes „letztes Ziel“, weil ein
gelöstes Problem immer nur an die Tore neuer führt.
So werden rastlos immer weitere Erkenntnisse und
Tatsachen herausgefischt aus dem glitzernden Meer
des Seins. Je zahlreicher sie werden, um so „spezi
eller“ werden sie und um so mannigfaltiger und kom
plizierter die in concreto nötigen Methoden.
Liegt mm das, was wir heute tatsächlich tun,
auch wirklich auf diesem Wege?