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Wirtschaft, wird in gleiche Teile zwischen die auswandernden Kinder
geteilt. Es ist also leicht zu begreifen, daß auf einem ganz be
setzten und urbar gemachten Gebiet diese soziale Organisation es
ist, die allen Individuen das größtmögliche Wohlergehen sichert und
den Völkern die stärkste Beteiligung an der Ausdehnung über die
unbesetzten und unkultivierten Gebiete der beiden Hemisphären. Der
Anerbe ist gehalten, alle Früchte seiner Arbeit der Ausstattung seiner
Brüder und Schwestern, dann der seiner eigenen Kinder zu opfern.
Um dieses Ziel zu erreichen, bedient sich der Erbe eines alten
Bauernhofes wertvoller Hilfsmittel, die in den bevölkerten Gebieten
der „armen Eigentümer“ zerstört sind. Er hat lange Zeit die Mit
arbeit und die Katschläge eines erfahrenen Vaters. Er genießt
Achtung, Einfluß und den Kredit, den die Leitung einer Stamm
familie gibt, die durch Arbeit und Tugend gestützt wird und seit
Jahrhunderten auf der Scholle sitzt. Er kann also die Kinder unter
den günstigsten Umständen ausstatten, sodaß sie die nötigen Eigen
schaften haben, um in der Hauptstadt vorwärtszukommen; und so
sieht man Bauernsöhne sich zu höheren Gesellschaftsstufen erheben,
sobald sie besonders begabt sind. Was die Kinder anbetrifft, die
ins Ausland gehen, so geht es ihnen allen gut unter dem wohltätigen
Einfluß der „reichen Auswanderung“. Die bewundernswerten Bauern
stämme, die vorstehend beschrieben sind, sichern so das Glück
ihrer Kinder, obwohl das Gebiet ganz besetzt ist; sie besorgen
selbst im Zustand absoluter Freiheit ihre gemeinsamen Interessen;
endlich haben sie nicht die Unterstützung der Regierung nötig, um
ihrem Volk ein Kolonialreich zu schaffen, und arbeiten an der sitt
lichen Verbesserung der wilden Völker.
Die europäischen Völker mit unfruchtbaren Familien sind auf
unserem Kontinent seit der Zeit des römischen Niederganges fast
ganz unbekannt gewesen. Sie erstehen jetzt wieder in Frankreich
im Gegensatz zu den Traditionen der zwölf letzten Jahrhunderte.
Dieses Unglück führt auf unserem Boden eine Zeit der sozialen Des
organisation herbei, die noch verdeckt ist durch den Anschein von
Gedeihen, die aber dem aufmerksamen Beobachter augenscheinlich
ist. Wie zur Zeit des oströmischen Kaiserreichs ist das Übel schon
groß und es wird täglich verstärkt durch drei Ursachen: die ge
steigerte Anhäufung der Reichtümer; den Verlust der Moral, durch
Müßiggang, Egoismus und die Laster der Sinnlichkeit; durch die
Vernichtung der väterlichen Autorität. Heute wie vor 15 Jahr
hunderten würden viele Väter bereit sein, gegen dieses Übel an