Object: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

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Weltanschauung. 
Seelenleben der Urzeit emportrieb, das wird heute bewußt und 
mit den Mitteln einer unendlich gesteigerten Beherrschung der 
Natur und des Geistes dem Seelenleben abgerungen: dort 
Trieb, hier Bewußtsein, das ist der Unterschied. 
Aber doch die gleiche psychische Grundlage? Wenn man 
will, — ja. Dort ein Seelenleben, das unbewußt noch auf 
dem Boden primitiver Reizempfängnis verlief, ohne daß die 
höheren Potenzen dieses Lebens schon klar entfaltet gewesen 
wären, — hier ein Seelenleben, das die Entfaltung dieser 
Potenzen längst erlebt hat und nun auf die unter ihnen 
liegende Schicht der bloßen Reizempfänglichkeit vorstellungsmäßig 
bordringt und diese bewußt sich zur Reizsamkeit umbilden sieht. 
Dies der klare Zusammenhang, der sich in tausend Einzel⸗ 
beobachtungen immer und immer wieder mit demselben End—⸗ 
ergebnis aufdrängt. Und nun die Wiederholung der bangen 
Frage: bedeutet das den Verfall? Ist für uns schon die 
Stunde gekommen, die der Dichter meint: 
Leben ist ein einziges 
Treppauf, Treppab, Treppab, Treppauf, 
Bis wir mal auf einem Absatz 
Tot zusammenbrechen. 
Und immer sehen wir 
Die obersten Stufen, 
Wie bei der Jakobsleiter 
In den Wolken verschwinden, 
Die Stufen der Hoffnung, 
Die ewig von der Sonne beschienen sind, 
Die aus der Himmelsspalte 
Sie umstrahlt. 
Treppauf, Treppab, 
Steigen und Niedergehn 
Und endlich — 
Steigen? Niedergehn? 
(v. Liliencron.) 
Der Historiker schweigt auf diese Fragen, und nur der 
Zeitgenosse vermag zu reden. Sicher erscheint mir, daß eine 
reine Nervenkultur den Anfang vom Ende bedeutet. Sie bedarf 
dringend der Begrenzung, Durchwucherung, teilweise Über⸗ 
wucherung mit anderen Lebenskräften. So ist schon heute
	        
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