Full text: Kartelle

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in einem andern (engeren) Sinne zu verstehen, als es in der wirt- 
schaftswissenschaftlichen Literatur gemeint ist, 
Besonders lebhaft vertreten ist in neuerer Zeit eine Auf- 
fassung, die die Kartelle in erster Linie als Instrumente der Pro- 
duktionsförderung hinstellt, offenbar in der Hoffnung, dadurch zu 
erreichen, daß das zu erwartende Kartellgesetz diese mit Rück- 
sicht auf ihre produktionsfördernde Funktion glimpflicher behandelt, 
Diese Richtung verfolgt nicht in erster Linie den Zweck, den Kartell- 
begriff zu erweitern und Verbände, die man bis dahin nicht als 
Kartelle ansprach, in den Begriff einzubeziehen; wenn man aber 
mit ihr als Wesensmerkmal des Kartells die Produktionsförderung 
in den Vordergrund stellt, ergibt sich daraus das unbeabsichtigte 
Resultat, daß dann auch alle möglichen Verbände, die lediglich die 
Normalisierung, Typisierung usw. fördern, unter diesen Begriff 
fallen, daß also auch hier der Kartellbegriff verwässert wird. 
In diesem Zusammenhange sei zunächst die Schrift von 
H. Müllensiefen, „Kartelle als Produktionsförderer‘“*) genannt, 
Ihr wirtschaftspolitisches Programm ergibt sich aus folgenden 
Worten des Vorworts: „Der Sturmlauf gegen Kartelle und Truste 
und die während der letzten Jahre in der breitesten Öffentlichkeit 
ausgefochtenen Angriffe, welche ihren Niederschlag bereits in ent- 
sprechenden Regierungsverordnungen fanden, lassen es mehr als 
erwünscht erscheinen, mit aller Schärfe der außerordentlich weit- 
verbreiteten Ansicht entgegenzutreten, daß die Kartelle nur In- 
teressen- und Preispolitik betrieben und nichts oder wenig für die 
sachliche Förderung der Produktion täten, überhaupt eine überlebte 
Wirtschaftsorganisation darstellten. Für die kartellierte Industrie 
heißt es deshalb heute, aus der nach guter alter Tradition geübten 
vornehmen Zurückhaltung herauszutreten und zu betonen, daß die 
Kartellbewegung als Produkt einer organischen Entwicklung gerade 
heute als Organisationsfaktor unserer Volkswirtschaft im Sinne einer 
umfassenden Produktivitätssteigerung von entscheidender Wichtigkeit 
zu werten ist, und eine falsche staatliche Einstellung den Kartellen 
gegenüber sich auf die Gesamtwirtschaft in verhängnisvollster Weise 
auswirken muß.“ Um das nachzuweisen, führt der Verfasser eine 
Reihe von Fällen an, in denen Kartelle (z. T. auch Verbände, die 
gar keine Kartelle sind) sich die Verbesserung des Einkaufs, der 
Produktion und des Absatzes zur Aufgabe gestellt haben. 
Einen weiteren Vorstoß zu einer Änderung des Kartellbegriffes 
machte H. von Beckerath in einem viel beachteten Aufsatz, der 
Sn -\ Berlin 1026 
21.
	        
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