Full text: Kartelle

der Landwirte, der zusammengeschlossen werden muß, ein verhältnis- 
mäßig kleiner. Es gibt eine Reihe lokaler Organisationen dieser 
Art1!). Sie müssen allerdings mit sehr mächtigen Gegenorganisationen 
rechnen 3). 
Von Kartellbildungen kann man auch bei den Gemüsean- 
bauern sprechen. Ein solcher Fall liegt z. B. in Braunschweig 
vor, wo Gemüse, vor allem Spargel, in großem Umfange für die 
dortige Konservenindustrie angebaut werden, Nachdem schon früher 
in loserer Form dort ein „Verein für Gemüsebau“ existiert hatte, der 
auf seine Mitglieder aber nicht den genügenden Einfluß hatte, wurde 
1907 der „Gemüsebauverein“ als e. G. m. b. H. begründet. Diesem 
Gemüsebauverein sind die meisten Gemüsebauer des Landes ange- 
schlossen und ihm ist es möglich, die Preise des Gemüses wesentlich 
zu beeinflussen. Er schließt regelmäßig mit dem Verein der Kon- 
servenfabrikanten: Braunschweigs und Umgebung Verträge über die 
Preise und Konditionen ab. Zweimal ist es nicht gelungen, zu 
solchen Abmachungen von Verband zu Verband zu kommen. Der 
Gemüsebauverein hat aber auch da die von ihm festgesetzten Ver- 
kaufspreise durchgesetzt?). Sehr wirkungsvolle kartellmäßige Organi- 
1) Über Kartelle von Rübenbauern in Österreich vgl. Hromada, Die Ent- 
wicklung der Kartelle in der österreich-ungarischen Zuckerindustrie. Staatswiss. Diss. 
Zürich 1911. S. 146 ff. 
? Über eine solche Gegenorganisation berichtet die Zeitschrift „Die Deutsche 
Zuckerindustrie‘‘ 1925, S. 66 f.: „In Magdeburg ist am 8. Januar ds. Js. ein „Bund 
der Zuckerfabrikanten‘“ gegründet worden, um unberechtigten und übermäßigen An- 
sprüchen von Kaufrübenanbauvereinen, die neuerdings in der Altmark, im Bezirk 
Magdeburg und in Anhalt mit ausgesprochener Frontstellung gegen die Zuckerfabriken 
geschaffen worden sind, wirksam entgegentreten zu können. Der neu gegründete „Bund 
der Zuckerfabriken‘, der fast alle Zuckerfabriken Mitteldeutschlands, namentlich die- 
jenigen der Provinz Sachsen, des Staates Anhalt, des Freistaates Sachsen, Thüringen, 
Braunschweig usw. umfaßt und in seiner Geschlossenheit und Wouchtigkeit schon jetzt 
ein wirtschaftlich wichtiger Faktor ist, will auf der einen Seite die in ihm vereinigten 
Zuckerfabriken gegenüber unberechtigten und übertriebenen Ansprüchen von Organi- 
sationen schützen, andererseits aber auch bei seinen Mitgliedern sicherstellen, daß 
der Rüben anbauende Landwirt, gleichgültig, ob er Pflicht- oder Kaufrüben anbaut, 
den angemessenen Gegenwert für sein Produkt erhält. Die im „Bu nde der 
Zuckerfabriken“ zusammengeschlossenen Roh- und Weiß- 
zuckerfabriken lehnen es ab, mit Organisationen von 
Kaufrübenanbauvereinen zu verhandeln, werden aber ihre be- 
sondere Fürsorge dem einzelnen Kaufrüben anbauenden Landwirt in unmittelbaren 
Verhandlungen zwischen ihm und Fabrik angedeihen lassen.‘ 
3) Vgl. dazu auch Broistedt, Die Entwicklung des feldmäßigen Gemüse- 
baues und sein Einfluß auf die Verhältnisse der Landwirtschaft im Braunschweiger 
Bezirk. Landwirtschaftl. Diss. Göttingen 1025. S. 61 ff
	        
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