Full text: Kartelle

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sationen haben die holländischen Gemüsebauer sich durch ihre Vei- 
lingsvereenigingen (Versteigerungsverbände) geschaffen‘). 
Von größerer Bedeutung sind stellenweise die Kartelle der 
Milcherzeuger (Milchringe, Milchproduzentenvereine, Milchver- 
wertungsvereine) geworden. Da infolge der leichten Verderblichkeit 
der Milch für die Versorgung einzelner Großstädte und Industrie- 
bezirke nur die Landwirte gewisser engerer Gebiete in Frage kommen, 
so ist auch hier eher die Möglichkeit eines Zusammenschlusses 
gegeben?). In der Nachkriegszeit ist die Kartellierung der Milch- 
produzenten infolge der Steigerung der Produktionsintensität, der 
Verbesserung der Kühl- und der Konservierungstechnik und der 
Verkehrsverhältnisse schwieriger geworden?). Es sind aber weiter- 
hin an vielen Stellen Zusammenschlußbestrebungen im Gange. Über 
Maßnahmen zur Regelung des Berliner Milchmarktes*) wird in dem 
Geschäftsbericht der Landwirtschaftskammer für die Provinz Bran- 
denburg und für Berlin für das Kalenderjahr 1929, S. 28f. ausgeführt: 
Von der nach Berlin mit der Bahn eingeführten Milch werden etwa 90% von 
händlerischen Organisationen straff zusammengefaßt, während demgegenüber nur 
etwa 30% in landwirtschaftlichen Organisationen erfaßt werden. Dieses Mißverhältnis 
geht auf Kosten der Landwirtschaft und ist mit die Veranlassung gewesen, den Ge- 
danken eines Zusammenschlusses aller am Berliner Milchmarkt interessierten Land- 
wirte und Molkereien in die Praxis umzusetzen. Ohne verständnisvolle Mitwirkung 
der milchliefernden Landwirte und Molkereien, aber auch des Berliner Milchhandels 
1) Vgl. dazu den Aufsatz von Rah n , Die niederländischen Veilingsvereenigingen 
für Gemüse, Obst und Kartoffeln. (Berichte über Landwirtschaft, herausgegeben 
im Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft, N. F., 19. Sonderheft. Berlin 
1930. S. 51 ff.). 
?) Vgl. dazu Mülhaupt, Der Milchring, Karlsruhe 1912, und die dort an- 
geführte Literatur, ferner Johannssen und Grude, Denkschrift zum 2 5- 
jährigen Bestehen des Milchverwertungsverein e. G. m. b. H., Hannover (1925), Dam- 
mertz, Die Ringbildung innerhalb der niederrheinischen Landwirtschaft. Land- 
wirtschaftl. Diss. Bonn-Poppelsdorf 1926. Schürmann, Die Milchversorgung des 
Ruhrkohlenbezirks. Berlin 1929. (Berichte über Landwirtschaft, N. F., 18. Sonderheft.) 
Das Statut der früheren Berliner „Zentrale für Milchverwertung E. G. m. b. H.‘“ ist 
abgedruckt in der amtlichen Denkschrift über das Kartellwesen, Bd. ı (Berlin 1908), 
Anlage N, S. 82f. 
%) Vgl. dazu Mielck, Milchpreis, Milchkartell und Butterzoll (Milchwirt- 
schaftliche Zeitung 1929, S. 917 f. Ders., Die Bildung des Milchpreises (Fortschritte 
der Landwirtschaft 1929, S. 227f.). Beckmann, Mittel und Wege zur Förderung 
des Frischmilch-Absatzes (Deutsche Landwirtschaftliche Presse 1928, S. 310 f.) 
*) Vgl. dazu auch Karl Brandt, Der heutige Stand der Berliner Milch. 
versorgung (Arbeiten der „‚Studiengesellschaft für die Milchversorgung Berlins m. b. H.‘“, 
Heft 2), Berlin o. J. (die Vorbemerkung ist vom Oktober 1928 datiert). Einiges auch in 
der Veröffentlichung des Enqueteausschusses, III. Unterausschuß, 9. Arbeitsgruppe, 
Bd. 6 (1920).
	        
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