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SPANIEN — Finanzen,
die Staats-Ausgaben auf 660’116,231 Realen
„ „ Einnahmen „ 320’066,000
das Deficit „ 340’050,231
Die Cortes wagten keine durchgreifenden Reformen. Halbheit
war ihre Sache. Desshalb schien es ihnen allzukühn, der Geistlich
keit den ganzen Zehnten zu entziehen; nur die Hälfte des Zehnte
ward aufgehoben (auf 400 Mill. Real, geschätzt). Damit hatten sie
sich die Möglichkeit der Einführung einer ausreichenden directen,
insbesondere einer ergiebigen Grundsteuer abgeschnitten. Nur in ge
ringem Maasse konnte das nicht frei gemachte Grundeigenthum,
und konnten Häuser und Gewerbe besteuert werden. So gelangte
man denn in der constitutioneilen Periode zu folgenden Budgetab
schlüssen :
Bedarf Deficit
1820 702’802,304 172 Mill. Real.
1821 ^ 756'21.1,217 87 „
1822 664’813,314 102 „
I Der im nächstfolgenden Jahre ausgebrochene Krieg schwellte den
Ausgabenetat auf 86l’591,646 Realen an, indess die Einnahme nur
auf 550 Mill, geschätzt ward. — Erwies sich der Constitutionalismus
unfähig, unter ungewöhnlichen Verhältnissen Ordnung in den Staats
haushalt zu bringen, so war der Absolutismus noch unfähiger dazu,
selbst in der Zeit der ungestörtesten Ruhe. Mit ihm kam die maass
lose Verschwendung wieder, mit ihm kehrten die alten Missbräuche
alle zurück. Da der volle Zehnt zu Gunsten der Geistlichkeit aufs
Neue eingeführt und das Volk dadurch empñndlich gedrückt ward, so
yei mochte man nicht durch Erhebung neuer Steuern ein Gleichgewicht
im Haushalte herzustellen. Es folgte die furchtbarste Einanzverwir
rung, und selbst im Jahre 1843, also etwa 20 Jahre nach Wieder
herstellung der „Ruhe und Ordnung,“ war man nicht weiter gekommen,
als dass man eine Einnahme von 877709,985 neben einem Bedarfe
von 995’814,698 R. auíFühren konnte.
Schuld. Schon beim Tode Philipp des V. war Spanien mit 800
Mill. R. Schulden belastet. König Ferdinand legte seinen Räthen
die Frage vor: ob er verpflichtet sei, dieselben anzuerkennen; seinem
Verlangen gemäss verneinten die Rathgeber die Frage, und nun war
Ferdinands Gewissen beruhigt. Karl III. hielt sich verpflichtet, die
ses Unrecht wieder gut zu machen; von 1762 — 79 erfolgten einige
Abschlagszahlungen, Allein der americanische Krieg hatte das Aus
bleiben der Silberflotten aus America zur Folge, und bald war nun
das Land auch noch mit 800 Mill. Papiergeld (vales) überschwemmt.
Indessen sollte, nach den spätem Finanzplänen und Versprechungen,
die ganze Schuld, etwa 170 Mill. Piaster betragend, im Jahre 1800
vollständig abgetragen sein. Dass diese Verheissung nicht erfüllt
wurde, ist begreiflich. Von 1808 —19 bekümmerten sich die „Staats
männer‘ohnehin gar nicht um die Schuld. Dieselbe war 1821 auf
3460 Mill. Capital mit 157 Mill, verzinslich, und ausserdem auf 6,478
Mill, unverzinsliches Capital angewachsen. Ferdinand VII. verweigerte
indess selbst derjenigen Schuld die Anerkennung, welche dadurch