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Die Württemberger Spinner hatten schon darauf hingewiesen, daß
die verschiedenen Garnnummern nicht gleichmäßig verzollt werden
dürften, daß hier vielmehr einzig und allein das Wertzollsystem am
Platze sei, sie predigten aber tauben Ohren. Der Zollschutz fiel für
die feineren Nummern fast gar nicht ins Gewicht, daher nahm die
Produktion naturgemäß immermehr die Richtung auf gröbere Nummern ')
und behielt sie im allgemeinen auch bei, obwohl einige der nach 1850
gegründeten großen Betriebe auch die Spinnerei feiner Garne auf-
nahmen. Jedenfalls ist die Entwicklung der Spinnerei — der Erfolg
der Zollerhöhung — von 1846 an etwa eine durchaus stetige. Wir
können das am besten beurteilen, wenn wir den Rückgang der Garn
einfuhr im Verhältnis zum Garn verbrauch ins Auge fassen. Es betrug
Die Garneinfuhr
Prozent des Verbrauchs
Im Durchschnitt der Jahre
1846—1848
184g—1851
1852—1854
1855-1857
1858—1860
68,24
64,26
55.40
50,51
39,88
In den neun Jahren 1837 bis 1845 hebt sich also, wie wir sahen,
der Anteil der inländischen Garnproduktion am Garnverbrauch von
25,7 1 °/ 0 auf 3i,84°/o, d. h. jährlich um 0,68 °/ 0 , nach der Zollerhöhung
aber in 15 Jahren von 31,76% auf 60,12%, das sind aber jährlich
bSQ % 3 )-
Die Gegenüberstellung spricht deutlich für die günstige Wirkung
des Schutzzolles. Gleichzeitig ist aus der Tabelle ersichtlich, daß das
schnelle Tempo der Entwicklung erst 1853 einsetzt. Dies ist ein
mal dem Umstande zuzuschreiben, daß mit diesem Jahre der Zoll
verein sich über ganz Deutschland außer Österreich erstreckte; zwei
tens aber stieg in den fünfziger Jahren die Ausfuhr von Webwaren
nach Amerika und folglich der Garnverbrauch der Webereien rapid.
Darum waren diese Jahre auch der Neugründung von Aktienunter
nehmungen besonders günstig, so fällt z. B. in das Jahr 1851 die
Gründung der „Baumwollspinnerei am Stadtbach“ zu Augsburg, einer
unserer größten Spinnereien, von der wir später noch einiges hören
werden. 1857 zählte man schon 2 Milk Spindeln,' 1861 aber 2T35 195 4 )-
In der Zeit von 1850 bis 1870 traten eine ganze Anzahl von Aktien-
1) Ad. Beer, a. a. O. S. 83.
2) Nach Dietericis und Bienengräbers Angaben berechnet.
3) Allzu genau sind auch diese Berechnungen aus dem Grunde nicht zu nehmen,
weil die handelsstatistischen Ergebnisse zu damaliger Zeit zu wenig Vertrauen verdienen.
4) Bienengräber, a. a. O. S. 195.